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8Nov/124

Wir sind dann mal whack – TTZ als Retter des deutschen HipHops

Darauf hat die Welt lange und sehnsüchtig gewartet, die "Kunstrapper" Julius Fischer und André Herrmann vom Team Totale Zerstörung (TTZ) veröffentlichen nun ihr erstes Album "Wir sind dann mal whack!". Wer sich fragt, ob Poetry Slam mit Musik funktionieren kann, der darf beruhigt sein, es funktioniert. Witzige und tiefsinnige Texte mit knallharte Punchlines, nach denen sich jeder Pseudorapper die Finger leckt, unterlegt mit fetten Beats und das alles "Straight outta Leipsch".  Herz was willst du mehr? An den besten Stellen erinnern Sie an TTZ in ihren besten Zeiten, wenn es nicht ganz so gut läuft kann man sie noch mit Fanta 4 an ihren frühen Tagen vergleichen. Nur etwas mehr Mut zu  Musik hätte das Album noch besser machen können, so sind nicht alle Tracks mit Beats unterlegt, doch liefern diese beste Poetry Slam Kultur. Authentischer Rap ist rar geworden und bei TTZ kommt es wirklich auf die Texte an, also Lauscher auf und rein mit dem Album:

Das soll keine Hymne sein, dafür fallen uns 1000 Gründe ein. (Straight outta Leipsch)

Wir kommen nicht aus dem Hip Hop, wir kommen aus dem Osten. Unsere Hosen sind nicht Baggie, sondern Kik-Restposten. [...] Wir sind TTZ und uns treibt die Empörung, wir hassen Menschen und fordern die totale Zerstörung. (Egal)

Die Basis ist das Fundament jeglicher Grundlage. (Girls Girls Girls)

Sie haben als Poetry Slammer nahezu alles gewonnen was man gewinnen kann, was auch immer das heißt, u.a. die deutsche Meisterschaften im Poetry Slam 2011, die sie dieses Jahr zu verteidigen suchen, und dürften den meisten Szenekundigen bekannt sein. Aber vielleicht kommt ja jetzt der überszenige Ruhm und die Weltherrschaft gibt's dann natürlich gratis dazu. Sie haben keine Scheu vor Niveaulosigkeiten, doch haben sie die Klasse diese elegant zu verpacken und so reicht die Themenbreite vom Beckenboden der Gesellschaft über Egalitäten bis hin zu Thilo Sarazin und auch eine Leipzig Hymne ist dabei.

Hymnen hat es für Leipzig schon viele gegeben, aber noch keine war so passend wie diese, wahrscheinlich weil es keine sein will. Was das Brandenburglied von Rainald Grebe für Brandenburg, ist dies für Leipzig, natürlich nur echt mit Halle und Berlin-Diss.

Das TTZ noch ein Geheimtipp ist, sollte nicht mehr lange so bleiben, Heldenstadt.de schreibt z.B.:

Heroen-Klartext statt Kuschel-Flow, Plastik-Bläser statt Karli-Girls, Pullerblase statt Klein-Paris. Berlin-Diss inklusive. Wir sind begeistert und bereits auf das offizielle Video gespannt."

Rap.de twittert:

Albumtitel für die Ewigkeit: "Wir sind dann mal whack"

Saxroyal.de schreibt:

Doch die zwei verleugnen auch ihren inneren Abiturienten nicht und lassen sich zu subtilen Gefühlsbekenntnissen und intellektuellen Wortspielereien hinreißen, die selbst Sozialarbeiter und Kunstpädagoginnen begeistern werden.

Hier ein Auszug aus einer anderen grandiosen Rezension von diesistkeineuebung.com, auch wenn sie es mit dem zählen nicht so hat, so beschreibt sie es doch ziemlich treffend:

10 Gründe, warum Sie dieses Album hören (und zuvor käuflich erwerben!) sollten:

  • Es ist ein sehr gutes Produkt.
  • Das ist kein Poetry Slam, das ist Gangsta Rap. Und höchst krass übelst geil. Alta.
  • André Herrmann singt Musicals.
  • Wohl niemand sagt so schön “Görls”, und mit diesem grandiosen Zungenschlag “Lllladies”, niemand hat so eine miese Street-Credibility und niemand ist so gut in Mathe wie die beiden Herrn mit dem Milchbubi-Gen.
  • Das ist die Leipziger Rap-Szene. Die müssen jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren.
  • “Punker, die zu Musik tanzen, zu der andere nichtmal sterben würden.”
  • Ihre seit Jahren durch dieses Internet geisternde Hymne an die Frauen (“Girls Girls Girls”) gibt es nun endlich in optimaler Soundqualität. Hören Sie, wie man ”die Frau macht aus dem herkömmlichen Mann einen einzigartigen” und “FICK DICH DU SCHWEIN!!!” in einem Satz unterbringen kann.
  • Dann wären da noch die Dramen auf Parties, bei denen alles geht, aber niemand aufs Klo, Dramen im nicht vorhandenen Kontakt mit Frauen zwischen Pausenhof, außerdem Malte und in jeder Schicht der Maya-Pyramide 98% Arschlöcher.
  • Das sind die Männer, die im Kongo Löwenbabies rauben und Marc-Uwe Kling dissen, die Frage, was von beiden gefährlicher ist, können Sie sich selbst beantworten, ich sage nur so viel: Afrika ist weit weg, aber Marc-Uwe Kling wohnt in Deutschland.
  • Das waren alles Anspielungen. Die werden Sie verstehen, wenn Sie das Album kaufen und hören. Also: tun Sie es.
  • Und denken Sie daran: “am 21.12. wird auch Tim Bendzko nichts mehr gegen den Weltuntergang ausrichten können.”
  • BAMMM!
  • Wer sonst nennt sich Kunstrapper, baut einen Beat auf “Gogh, Gogh, Gogh, van Gogh” und reimt klassische Musik auf übertriebene Gewaltdarstellung drastisch überwiegt? Es gibt dazu auch eine Choreographie, im Kunstrap heißt das Performance, und die sollten Sie sehen. Das geht gerade noch, 7-Tage-Schonfrist sei Dank, in der ZDF-Mediathek. Hier. Steigen Sie bei Minute 33:20 ein.
  • Grund Nummer zehn:  ”Man muss ein Verlangen bis ins Unendliche steigern, bevor man der verlangten Sache habhaft werden kann.”

Im krassen Unterschied zur Authentizität von Julius Fischer und André Herrmann steht das blutleere Staraufgebot in Stefan Raabs neuestem Musikvideo, bei dem z.B. Campino als Düsseldorfer über seine Liebe zu Köln singt, das muss man nicht mehr verstehen. Da bekommt man Angst, das mit dem Ruhm und dem Erfolg auch die Belanglosigkeit kommt. Vielleicht hat man nur etwas zu sagen, wenn man nicht ganz oben in der Nahrungskette steht. Aber ungeachtet dessen wünsche ich TTZ viel Erfolg mit dem famosen Album und wünsche alles Gute bei der totalen Zerstörung gegen die auch Tim Bendzko nichts ausrichten kann.

Wer sie unterstützen will kauft am besten über diesen Link von André Herrmanns Seite.

13Feb/105

Unsere Stars für Oslo 2010 – Made by Stefan Raab

Das es Abseits des alles beherrschenden Dieter Bohlen Casting Einheitssoße auch wirklich gute Castingsshows gibt, hat Stefan Raab schon mit "SSDSGPS" (Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star) bewiesen an deren Ende Max Mutzke beim Eurovision Song Contest 2004 in Istanbul den 8. Platz belegte. Seit Jahren wird Deutschland mit niveaulosen und teils menschenrechtsverletzenden Bohlensprüchen malträtiert und niemand scheint sich dagegen zu wehren. Scheinbar geht heute nichts mehr ohne den Überbohlen, nicht einmal der Wiener Opernball 2010. Doch an den Eurovision Song Contest hat auch er sich nicht rangetraut, er wird auch wissen warum, wird bei seinen Castingsshows doch meist austauschbare Popware produziert die meist nur im Aussehen variiert. Das Konzept was mit "SSDSGPS" auf Prosieben von Raab eingeführt wurde wird jetzt mit "Unser Star für Oslo 2010" in Kooperation mit der ARD konsequent weitergeführt. Hier steht wieder die Musik und die Interpreten im Mittelpunkt und nicht die krassesten Sprüche. Es ist wie Balsam für die Seele, wenn 10 mehr oder weniger talentierte Musiker um den Einzug in die nächste Runde kämpfen und das meist nur mit Hilfe ihrer Stimme, Gitarre oder Ausstrahlung und nicht mit dem lächerlichsten Auftreten und der mitleidigsten Geschichte und sie nicht von der Jury runtergemacht werden, selbst wenn nicht jeder Ton getroffen wird. Aber genug von dem Bohlenbashing. Das die Kandidaten wirklich das Potenzial haben in Oslo zu bestehen scheint angesichts einiger herausragender Auftritte mehr als nur möglich und im Angesicht der schwachen Platzierungen der letzten Jahre nur wünschenswert:

Jahr Interpret   Titel
(Musik / Text)
Platz Punkte Charts
(D)
2000 Stefan Raab Wadde hadde dudde da?
(Stefan Raab)
05/24 96 2
2001 Michelle Wer Liebe lebt
(Gino Trovatello, Matthias Stingl / Eva Richter, Mary Applegate)
08/23 66 32
2002 Corinna May I can’t live without music
(Ralph Siegel / Bernd Meinunger)
21/24 17 72
2003 Lou Let’s get happy
(Ralph Siegel / Bernd Meinunger)
12/26 53
2004 Maximilian Mutzke Can’t wait until tonight
(Stefan Raab)
08/24 93 1
2005 Gracia Run & hide
(David Brandes, Jane Tempest / Bernd Meinunger (als 'John O'Flynn')
24/24 04 20
2006 Texas Lightning No no never
(Jane Comerford)
15/24 36 1
2007 Roger Cicero Frauen regier’n die Welt
(Matthias Hass / Frank Ramond)
19/24 49 7
2008 No Angels Disappear
(Remee, Hanne Sørvaag, Thomas Troelsen)
23/25 14 4
2009 Alex Swings Oscar Sings! Miss Kiss Kiss Bang
(Alex Christensen, Steffen Häfelinger)
20/25 35 20

Die 10 Gewinner der ersten beiden Shows vom 02.02.2010 und 09.02.2010: Katrin Walter, Lena Meyer-Landrut, Kerstin Freking, Meri Voskanian, Cyril Krueger sowie Christian Durstewitz, Maria-Lisa Straßburg, Sharyhan Osman, Leon Taylor und Jennifer Braun treten nun in mehreren Entscheidungsshows bis zur Finalshow am 12. März 2010 gegeneinander an. Zu den Favoriten ist auf jeden Fall die erst 18 Jährige Lena Meyer-Landruht zu zählen, die mit ihrem erfrischend lockeren und vor allem natürlichen Auftritt wohl nicht nur viele Männerherzen für sich gewinnen konnte und das mit einem wahrscheinlich nicht nur mir unbekannten Lied "My Same" von Adele. Die in der ersten Show als Letzte ins Rennen gegangene erinnert sehr an Kate Nash, Miss Li und SoKo und wird sich in den nächsten Shows erst richtig beweisen müssen und gegen einige andere nicht zu unterschätzende Kontrahenten durchsetzen müssen, wie z.B. den ebenfalls als letzter ins Rennen gegangener Christian Durstewitz, aber vielleicht werden ja einmal mehr die letzten die ersten sein, wobei auch die anderen Kandidaten einen guten Auftritt hingelegt haben, wie z.B. die etwas an Stefanie Heinzmann erinnernde Maria-Lisa Straßburg oder der 21-jährige Cyril Krüger. Man darf gespannt sein:

Alle Videos gibt es auf der offiziellen Seite.

(via sz und sz)