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Lieber Slacktivism als gar kein vism

svaKritiker werden sagen Slacktivism (def.: Anteilnahme im Internet ohne großen Aufwand, z.B. Unterzeichnung einer Onlinepetition) beruhigt das Gewissen ohne etwas erreicht zu haben, denn mit einem Like ist noch niemandem geholfen, aus einem Click entsteht keine Revolution sagen sie. Aber man muss sich auch mal die Alternative betrachten. Die wenigstens Menschen gehen wirklich auf die Straße, engagieren sich für Flüchtlinge, zeigen Flagge gegen den xten Ableger von PEGIDA oder retten aktiv die Umwelt. Sicher wäre dies erstrebenswert und sinnvoll, aber so sieht die Realität leider nicht aus. Die Kritiker gehen von einer engstirnigen Definition des Begriffs Activism aus, bei denen der idealisierte Revoluzzer, gegen jeden Misstand auf die Straße geht und durch Sit-ins einen Umbruch herbeiführt. Doch beim Activism geht es auch darum Aufmerksamkeit für ein Problem zu generieren und man mag von Kony 2012 halten was man will, aber dieses Video wurden mehr als 100 Mio. mal angesehen.

Gefühlt verbringen die Generationen U30 222% ihrer Zeit im Internet, je jünger die Menschen desto mehr Zeit. Wie will man diese Generation anders erreichen als über das Internet und was spricht dagegen diese Masse (sinnvoll) zu nutzen? Sicherlich gibt es mehr als genug Beispiele, bei denen außer einem Shitstorm nichts weiter passierte. Doch gibt es auch zahlreiche gelungene Beispiele dafür, dass die Kraft des Internets (sinnvoll) genutzt werden kann. Crowdfunding wäre ein Beispiel, hier bedeutet ein Click oft die Realisierung eines Traumes, das unter den Ideen auch viel Ausschuss dabei ist, das ist halt so. Natürlich ist die ursprüngliche reine Form des Aktivismus richtig und wichtig, aber nicht jeder Slacktivism ist zum scheitern verurteilt oder per se schlecht. Eine zur Zeit empfehlenswerte Kampagne wäre die folgende Baumpflanz-Kampagne von Republic of Change, auch wenn jedem klar sein sollte, das man mit einem Baum nicht die Welt rettet. Aber egal ob nun Slack-, Click-, oder Activism, vielleicht hat es wenigstens ein zwei Menschen mehr dazu gebracht mehr über die (Um)welt nachzudenken, und das ist doch immer noch besser als gar kein vism:

Web

Bildquellen:

  • 1. Bild https://i.ytimg.com/vi/0EQFKKJBjwE/maxresdefault.jpg
  • 2. Bild http://sortable.com/wp-content/uploads/2012/04/The-rise-of-the-Slacktivist_1st-draft-01-1.jpg

Crowdfunding wird erwachsen

cf3„Noch nie war es so einfach an Geld zu kommen“, hört man immer wieder. Was Spammer schon vor langer Zeit für sich genutzt haben, entdecken nun auch immer mehr „Gründer“ für sich. Musste man früher auf die langwierige Suche nach Investoren quasi von Tür zu Tür gehen, und noch früher bei einer Bank Kredit beantragen, liegt heutzutage das Geld auf der Straße, genauer auf der Datenautobahn. Crowdfunding heißt das auf Neudeutsch, das liegt grad voll im Trend und mittlerweile hat bestimmt jeder mal davon gehört.

Man kann so ziemlich alles Crowdfunden: von KartoffelsalatSmartwatches, veganer Mode, über Filme, soziale Projekte, bis hin zu einem Projekt, das Crowdfunding noch bekannter machen will. Wie immer gibt es auf den Plattformen wie KickstarterIndiegogo oder Startnext nichts, was es nicht gibt. Es funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Jemand hat eine Idee, stellt diese auf einer Plattform vor, dabei legt er ein Finanzierungsziel fest und hofft, dass das Ziel in einem bestimmten Zeitraum erreicht wird. Wenn genug Menschen das Projekt finanziell unterstützen und so das Ziel erreicht wird, wird die Idee auch in die Tat umgesetzt, sonst nicht. Natürlich macht der Mensch nichts umsonst. Als Dankeschön für die Unterstützung das Projekts kriegt er eine Belohnung. Je nachdem, wie schnell und wie viel er spendet, reichen diese von einem einfachen Dankeschön der Entwickler per Mail, über das (verbilligte) Produkt selbst, bis hin zu einem 10er Pack der SuperPremiumDeluxePlatinVersion des Produkts inklusive Führung durch das Büro und anschließendem Candelightdinner mit den Gründern.

cf2Dabei spricht Crowdfunding gleich mehrere Grundbedürfnisse des Menschen an. Da wären zum einen das Schnäppchenjägergen: die ersten Unterstützer eines Projekts, sogenannte Early Birds, erhalten z.B. die neue Smartwatch zum halben Preis. Lediglich eine begrenzte Anzahl solcher Early Bird Angebote gibt es, sodass man bei besonders gefragten Projekten schnell sein muss „Nur solange der Vorrat reicht“. Wenn diese Angebote vergriffen sind, wird es schrittweise teurer. Zum anderen wird an das Gewissen appelliert oder das Gefühl erzeugt, wenn man das Projekt jetzt nicht unterstützt, dann wird es nie realisiert. Dementsprechend gibt es auch immer die Möglichkeit, die Projekte ganz ohne Gegenleistung zu unterstützen, einfach nur weil man daran glaubt und möchte, dass es realisiert wird. Doch egal aus welcher Motivationen man zu einem Unterstützer wird und egal mit was für einem kleinen Beitrag, das Gefühl an etwas großem Teilzuhaben und unter Umständen wirklich einen Unterschied zu machen, das kann einem keiner nehmen, und das ist der größte Trumpf des Crowdfundings.

Das klingt von der Theorie her wirklich alles super, denn es lassen sich so Sachen umsetzen, für die sich nie ein traditioneller Sponsor gefunden hätte. Doch in der Praxis funktioniert das natürlich nicht immer so einfach. Wenn man nicht grade wie Pebble mit seiner Smartwatch Rekorde bricht und in den ersten 49 Minuten 1 Millionen US$ Unterstützung erhält, besteht die Gefahr in der Vielzahl von Projekten unterzugehen. Wie so oft reicht eine gute Idee allein nicht aus. Gefühlt ist es das wichtigste ein gutes Produktvideo zu machen, bei dem 1-3 Gründer über das beste Projekt aller Zeiten sprechen und 1-2 Techniker kurz ihren Text aufsagen dürfen, das Ganze unterlegt mit einem emotional aufgeladenen Soundtrack, noch ein bisschen Videobearbeitung und fertig ist das „Bitte unterstützt uns Video“. Wenn das Projekt dann noch was mit IT zu tun hat, hat man eigentlich schon gewonnen, weil hier die Affinität zum crowdfunden wesentlich höher ist als bei Oma Gertrud, für die Internet noch Neuland ist. Hier zwei Beispielvideos:

Ist Crowdfunding also gut für alle? Wenn die eigene Kampagne erfolgreich ist eventuell. Man erhält alleine durch die Crowdfundingkampange eine gute Marketingkampagne, man kann mit einer garantierte Mindestabnahmemenge rechnen, erreicht neue Käuferschichten und die Kunden freuen sich über ihr Produkt, von dem sie selbst ein Teil sind. Allerdings gibt es auch genug Nachteile. Längst nicht jedes Projekt erreicht sein Finanzierungsziel und selbst wenn, eventuell verkalkuliert man sich und das Geld reicht doch nicht, außerdem wird nicht sofort an die Firmen ausgezahlt und die Plattform verlangt natürlich auch Gebühren, Verzögerungen in der Produktion und im Versand sind nahezu an der Tagesordnung, eine erfolgreiche Kampagne bietet keine Garantie auf reibungslose Abwicklung. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er die Möglichkeiten des Crowdfunden nutzen will oder nicht.

Und weil man nicht über Crowdfunden schreiben kann, ohne etwas Werbung für ein paar laufender Kampagnen (Stand: 06.06.2015) zu machen, hier noch eine kleine sehr subjektive Auswahl an Projekten die ich momentan interessant finde:

Quellen: