Crowdfunding wird erwachsen

cf3„Noch nie war es so einfach an Geld zu kommen“, hört man immer wieder. Was Spammer schon vor langer Zeit für sich genutzt haben, entdecken nun auch immer mehr „Gründer“ für sich. Musste man früher auf die langwierige Suche nach Investoren quasi von Tür zu Tür gehen, und noch früher bei einer Bank Kredit beantragen, liegt heutzutage das Geld auf der Straße, genauer auf der Datenautobahn. Crowdfunding heißt das auf Neudeutsch, das liegt grad voll im Trend und mittlerweile hat bestimmt jeder mal davon gehört.

Man kann so ziemlich alles Crowdfunden: von KartoffelsalatSmartwatches, veganer Mode, über Filme, soziale Projekte, bis hin zu einem Projekt, das Crowdfunding noch bekannter machen will. Wie immer gibt es auf den Plattformen wie KickstarterIndiegogo oder Startnext nichts, was es nicht gibt. Es funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Jemand hat eine Idee, stellt diese auf einer Plattform vor, dabei legt er ein Finanzierungsziel fest und hofft, dass das Ziel in einem bestimmten Zeitraum erreicht wird. Wenn genug Menschen das Projekt finanziell unterstützen und so das Ziel erreicht wird, wird die Idee auch in die Tat umgesetzt, sonst nicht. Natürlich macht der Mensch nichts umsonst. Als Dankeschön für die Unterstützung das Projekts kriegt er eine Belohnung. Je nachdem, wie schnell und wie viel er spendet, reichen diese von einem einfachen Dankeschön der Entwickler per Mail, über das (verbilligte) Produkt selbst, bis hin zu einem 10er Pack der SuperPremiumDeluxePlatinVersion des Produkts inklusive Führung durch das Büro und anschließendem Candelightdinner mit den Gründern.

cf2Dabei spricht Crowdfunding gleich mehrere Grundbedürfnisse des Menschen an. Da wären zum einen das Schnäppchenjägergen: die ersten Unterstützer eines Projekts, sogenannte Early Birds, erhalten z.B. die neue Smartwatch zum halben Preis. Lediglich eine begrenzte Anzahl solcher Early Bird Angebote gibt es, sodass man bei besonders gefragten Projekten schnell sein muss „Nur solange der Vorrat reicht“. Wenn diese Angebote vergriffen sind, wird es schrittweise teurer. Zum anderen wird an das Gewissen appelliert oder das Gefühl erzeugt, wenn man das Projekt jetzt nicht unterstützt, dann wird es nie realisiert. Dementsprechend gibt es auch immer die Möglichkeit, die Projekte ganz ohne Gegenleistung zu unterstützen, einfach nur weil man daran glaubt und möchte, dass es realisiert wird. Doch egal aus welcher Motivationen man zu einem Unterstützer wird und egal mit was für einem kleinen Beitrag, das Gefühl an etwas großem Teilzuhaben und unter Umständen wirklich einen Unterschied zu machen, das kann einem keiner nehmen, und das ist der größte Trumpf des Crowdfundings.

Das klingt von der Theorie her wirklich alles super, denn es lassen sich so Sachen umsetzen, für die sich nie ein traditioneller Sponsor gefunden hätte. Doch in der Praxis funktioniert das natürlich nicht immer so einfach. Wenn man nicht grade wie Pebble mit seiner Smartwatch Rekorde bricht und in den ersten 49 Minuten 1 Millionen US$ Unterstützung erhält, besteht die Gefahr in der Vielzahl von Projekten unterzugehen. Wie so oft reicht eine gute Idee allein nicht aus. Gefühlt ist es das wichtigste ein gutes Produktvideo zu machen, bei dem 1-3 Gründer über das beste Projekt aller Zeiten sprechen und 1-2 Techniker kurz ihren Text aufsagen dürfen, das Ganze unterlegt mit einem emotional aufgeladenen Soundtrack, noch ein bisschen Videobearbeitung und fertig ist das „Bitte unterstützt uns Video“. Wenn das Projekt dann noch was mit IT zu tun hat, hat man eigentlich schon gewonnen, weil hier die Affinität zum crowdfunden wesentlich höher ist als bei Oma Gertrud, für die Internet noch Neuland ist. Hier zwei Beispielvideos:

Ist Crowdfunding also gut für alle? Wenn die eigene Kampagne erfolgreich ist eventuell. Man erhält alleine durch die Crowdfundingkampange eine gute Marketingkampagne, man kann mit einer garantierte Mindestabnahmemenge rechnen, erreicht neue Käuferschichten und die Kunden freuen sich über ihr Produkt, von dem sie selbst ein Teil sind. Allerdings gibt es auch genug Nachteile. Längst nicht jedes Projekt erreicht sein Finanzierungsziel und selbst wenn, eventuell verkalkuliert man sich und das Geld reicht doch nicht, außerdem wird nicht sofort an die Firmen ausgezahlt und die Plattform verlangt natürlich auch Gebühren, Verzögerungen in der Produktion und im Versand sind nahezu an der Tagesordnung, eine erfolgreiche Kampagne bietet keine Garantie auf reibungslose Abwicklung. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er die Möglichkeiten des Crowdfunden nutzen will oder nicht.

Und weil man nicht über Crowdfunden schreiben kann, ohne etwas Werbung für ein paar laufender Kampagnen (Stand: 06.06.2015) zu machen, hier noch eine kleine sehr subjektive Auswahl an Projekten die ich momentan interessant finde:

Quellen:

Reading between the lines – Kirche mal anders

rbtl2Das Kirchen sich äußerlich oft sehr ähneln, ein Kirchturm, ein Kirchenschiff, fertig ist die Kirche, hat schon öfter die Kreativität von Architekten beflügelt. Und so werden aus Bauwerke, die oft dazu dienen sollen, den Menschen auf seine vermeintliche Winzigkeit im Angesicht Gottes zurechtzustutzen, teilweise echte Meisterwerke.

Das belgische Architektenduo Gijs van Vaerenbergh (Pieterjan Gijs und Arnout Van Vaerenbergh) haben 2011 mit ihrem Projekt Reading between the lines ihre, äußerst sehenswerte, Version einer Kirche gebaut. Das Bauwerk, mehr Kunst als Kirche, das mit 30 000 Tonnen Stahl kein Leichtgewicht ist, ruht auf einem Fundament aus Stahlbeton, das im Gegensatz zum transparenten Anblick des Bauwerks steht. Je nach Betrachtungswinkel verschwimmt das Gebäude mal mehr, mal weniger mit der Umgebung, mal scheint es wie eine Fata Morgana oder als würde das Gebäude schweben, mal sieht es wie eine ganz normale Kirche aus. So bietet das Kunstwerk abhängig vom Standpunkt viel Raum für Interpretationen, über Gott und die Welt, den schwinden Einfluss der Kirche, die Symbiose zwischen Mensch und Natur usw. . Bei solcher Architektur lohnt sich ein Kirchenbesuch, wer das Kunstwerk besuchen will kann sich schon mal Richtung Belgien aufmachen (Google Maps) und für alle anderen gibt es hier ein paar Fotos von Filip Dujardin und Steven Marssart, sowie ein kleines Making of:

Serienschau: Bloodline

nbIn letzter Zeit hört man immer wieder, dass Serien die neuen Filme sind. Waren Serienproduktionen früher von der Komplexität, Ausstattung und eigentlich allem, einfach nicht mit „richtigen“ Filmen zu vergleichen, hat sich das, nicht nur durch Netflix und Amazon, mittlerweile geändert und es werden bei Serien, fast schon höhere Gagen als beim Filmen gezahlt. Und auch die Art der Serienerzählung hat sich geändert, der Zuschauer erhält immer seltener Woche für Woche eine neue Geschichte, sondern in immer mehr Fällen eine durchgehende Geschichte, vergleichbar mit einem mehrteiligen Film.

Dazu beigetragen hat natürlich auch eine neue Form des Serienguckens. Während das traditionelle Serienformat die Erzählung zerstückelt, in dem man Woche für Woche eine Folge ausstrahlt, hat man beim Online Streaming die Möglichkeit ganze Staffeln an einem Tag durchzugucken, neudeutsch heißt das Bingewatching. Dementsprechend kann man natürlich wesentlich komplexeren Geschichten erzählen und Spannungsbögen über mehrere Episoden ziehen. Netflix ist hier sicherlich ein Vorreiter, der seine selbst produzierten Serien (House of CardsMarco Polo, Daredevil) beim Staffelstart komplett ins Netz stellt und so bei Hardcoreserienjunkies für schlaflose Nächte sorgt.

Mit Bloodline hat Netflix nun eine weiter sehenswerte Serie produziert. Eine Familiengeschichte, die damit beginnt, dass das schwarze Schaf der Familie nach Hause kommt und eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen in Gang setzt. Als Kulisse dienen die Florida Keys in denen die Familie Rayburn ein malerisches Feriendomizil besitzt. Eigentlich sieht alles paradiesisch aus weiße Strände, Blaues Meer, aber natürlich trügt der erste Schein. Die Familie verbindet ein dunkles Ereignis aus der Vergangenheit, das im Laufe der Serie durch Rückblenden erzählt wird. Und wie das so ist mit Sachen aus der Vergangenheit die am liebsten alle vergessen würden, es wird nie darüber gesprochen, alle fühlen sich schuldig und am Ende eskaliert es. Aber, wer will auch schon eine Serie über eine glückliche Familie an idyllischen Stränden sehen? Denn genau von diesem Gegensatz, zwischen malerischer Kulisse und zerrissenem Familienglück, lebt die Serie. Es gelingt ihr eine ähnlich dichte Atmosphäre wie bei True Detective zu schaffen, bei der man das Gefühl hat, das die Hitze, die über den Florida Keys liegt, nicht am Bildschirmrand aufhört. Man wird hineingezogen in einen Mix aus Krimi, Thriller und Familiendrama, bei dem die Katastrophe vorprogrammiert, weil unausweichlich, scheint. Aber gut, ich möchte hier nicht zu viel verraten, außer, dass Bloodline in eindrucksvollen Bildern eine spannende Geschichte erzählt, bei der man mehr als einmal mit seinen Sympathien zwischen den Charakteren hin und her schwankt.

Meine Wertung: 8/10 (1.Staffel)

Bloodline (2015–)
Bloodline poster Rating: 8.2/10 (27,760 votes)
Director: N/A
Writer: Glenn Kessler, Todd A. Kessler, Daniel Zelman
Stars: Kyle Chandler, Linda Cardellini, Norbert Leo Butz, Jacinda Barrett
Runtime: 60 min
Rated: TV-MA
Genre: Drama, Thriller
Released: 20 Mar 2015
Plot: A family of adult siblings find that their past secrets and scars are revealed when their black sheep of a brother returns home.

Einer der wenigen Wermutstropfen, wenn man denn unbedingt ein Haar in der Suppe suchen will, ist, das es eine schwedische Serie gibt, die eine ziemlich ähnliche Thematik hat, diese heißt Blutsbande (orig.: Tjockare än vatten, eng.: Thicker Than Water). Gut bei den Amerikanern gibt es 4 Geschwister, bei den Schweden nur 3. Aber beide haben ein Familenhotel, ein Erbe um das es sich zu streiten lohnt, verlorene Söhne, schreckliche Mütter und dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit. Leider findet man zu den Ähnlichkeiten der beiden Serien im Netz nicht viel. Ich gehe davon aus, dass die meisten Amerikaner nicht mal wissen, dass es Schweden überhaupt gibt und so ist auch nicht mit Sicherheit zu sagen, wer hier von wem sich hat inspirieren lassen. Doch zumindest die Daten der Erstausstrahlung (Bloodline: 20.03.2015, Blutsbande: 27.01.2014) legen Nahe, das die amerikanischen Serienschöpfer die schwedische Serie als Vorlage genommen haben. Das wäre ja auch nicht das erste Mal, siehe z.B. Homeland, dass eine Neuauflage der israelischen Serie Hatufim ist, und es bedeutet ja auch nicht, das die Kopie deswegen künstlerisch weniger wertvoll ist, oft ist diese ja sogar besser als das Original. Aber es bleibt ein fader Beigeschmack, der die Begeisterung etwas trübt, vor allem weil es nirgendwo einen Verweis auf das vermeintliche Original gibt.

Thicker Than Water (2014–)
Thicker Than Water poster Rating: 7.1/10 (269 votes)
Director: N/A
Writer: Henrik Jansson-Schweizer
Stars: Joel Spira, Björn Bengtsson, Aliette Opheim, Jessica Grabowsky
Runtime: 58 min
Rated: N/A
Genre: Drama
Released: 27 Jan 2014
Plot: N/A

weiterführende Links:

Werstreamt.es?

wselIn Zeiten, in denen das legale Streaming endlich den Kinderschuhen entwächst, verliert man leicht den Überblick, was von welchem der zahlreichen Video on Demand Anbieter grade angeboten wird. Lizenzrechtliche Themen die dafür Sorgen, dass das Angebot immer wieder rotiert wird, machen es einem dabei nicht grade leichter. Es gibt zum Glück bessere Methoden, als bei jedem der zahlreichen Streaminganbieter einzeln nach dem gewünschten Film oder Serie zu suchen. Werstreamt.es bietet dafür eine komfortablere Möglichkeit, so kann man hier auf einem Blick sehen, wo der gesuchte Film momentan zur Verfügung steht. Die Metasuchmaschine unterstützt dabei alle für Deutschland relevanten Anbieter (Amazon, iTunes, Maxdome, Netflix, Watchever, Videoload, Sky Go, GooglePlay, MyVideo…).

Wenn man sich einen Account erstellt, kann man seine präferierten VoD Anbieter hinterlegen kann, um so auf der Suche nach einem interessanten Film auch wirklich nur die angezeigt zu bekommen, die für einen verfügbar sind. Außerdem kann man sich benachrichtigen lassen, wenn ein Film bei einem seiner Anbietern zur Verfügung steht. Neben der Website stehen auch Apps für Android und Apple zur Verfügung. Natürlich hat der Dienst noch Potential nach oben IMDB-Bewertungen, Watchlisten und auch die Mediatheken fehlen noch. Allerdings steht die einzige ernst zu nehmende Alternative justwatch.com noch am Anfang der Entwicklung, diese bietet zwar Watchlisten allerdings noch keine Apps. Unterm Strich führt momentan, für alle, die mehr als einen Streaming Dienst nutzen, an Werstreamt.es kein Weg vorbei:

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Filmschau: Verliebt in Molly

mmUnd hier ist mal wieder ein Film aus der Rubrik, kaum einer kennt ihn und der deutsche Titel ist kitschig: Verliebt in Molly (orig.: Molly Maxwell). Das klingt etwas wie Verrückt nach Mary oder die 14 Nicholas Sparks Verfilmung und auch das deutsche Poster ist nicht sehr vielversprechend, doch zum Glück hat all das nicht allzu viel mit dem Film selbst zu tun, und das ist auch gut so.

Der kanadische Indie-Film handelt vom Erwachsenwerden und all den Hochs und Tiefs die dazugehören. Unaufgeregt erzählt er die Geschichte von Molly Maxwell (Lola Tash), einer 16-jährigen Schülerin, an einer fast schon zu kreativen Schule. Molly ist ein typischer Teenager, sie hängt mit ihren Freunden ab, ist vielseitig interessiert, aber weiß nicht recht was sie will und so testet sie die Grenzen ihrer Eltern und der Gesellschaft ein ums andere mal aus. Dabei verliebt sich Molly in ihren, natürlich Gitarre spielenden, Lehrer Ben Carter (Charlie Carrick). Eine romantische, wenn auch zum Scheitern verurteilte, Beziehung entwickelt sich. Die Naivität und Unbeholfenheit mit der Molly die Beziehung angeht wirkt so natürlich, das man sich unweigerlich an seine ersten Erfahrung in Sachen Liebe zurückerinnert fühlt. Dem Tabuthema Lehrer-Schüler Beziehung wird sich zum Glück nicht mit der Moralkeule genähert, sondern es wird eine glaubhafte Geschichte erzählt, ohne Ben in die Ecke der Pädophilie zu stellen, dazu ist der gefühlte Altersunterschied der beiden auch viel zu gering. Die Chemie zwischen den beiden Hauptakteuren stimmt und trägt durch den Film, der nicht ohne die alltäglichen Dramen des Lebens auskommt, aber nicht übertrieben dramatisiert wirkt.

Verliebt in Molly, ist ein Film, der gut auf dem Sundance Film Festival hätte laufen können. In leisen Tönen und schönen Bildern erzählt er die authentische Geschichte von Molly und Ben mit Witz und ohne viel Tamtam, ohne das Tabuthema mit der Moralkeule zu erschlagen. Er fängt die Stimmung des Erwachsenwerdens sehr gut ein, begleitet von einem stimmigen Soundtrack und guten schauspielerischen Leistungen ist er so ein gelungener Film. Wem I am not a Hipster, Safety not guaranteed, Like Crazy und/oder Your Sister’s Sister gefallen, dem sei dieser Film ans Herz gelegt.

Meine Wertung: 8/10

Molly Maxwell (2013)
Molly Maxwell poster Rating: 6.3/10 (1,572 votes)
Director: Sara St. Onge
Writer: Sara St. Onge
Stars: Lola Tash, Charlie Carrick, Krista Bridges, Rob Stewart
Runtime: 90 min
Rated: N/A
Genre: Drama, Romance
Released: 06 Jan 2013
Plot: At Phoenix Progressive School, where everyone tries to outdo each other with creative self-expression, 16-year-old Molly Maxwell (Lola Tash) would rather be invisible than risk revealing ...