Schlatterblog Stuff by schlatterboy

24Apr/130

Woodkid – The Golden Age

23daw3tsaafk7v5Yoann Lemoine nennt sich Woodkid, dabei ist er alles andere als auf dem Holzweg mit dem was er momentan tut und startet eigentlich gerade ganz groß durch. Sein kürzlich erschienenes und lang erwartetes Debutalbum The Golden Age findet sich unter den Top 10 Alben in Deutschland und der Schweiz wieder.

Angefangen hat der Franzose mit polnischen Wurzeln als Musikvideoregisieur, dabei drehte unter anderem die Videos Born to Die und Blue Jeans für Lana Del Rey und Mistake für Moby. Da er ein sehr visueller Typ ist, schlägt sich dies auch in seiner Musik nieder, die er selbst als orchestral und epochal beschreibt, ist diese doch äußerst monumental und suggeriert einem sofort das Gefühl das man Teil von etwas Großem ist.
Sein wirklich großartiger und bis jetzt wohl bester Song "Iron" wurde unteranderem für den Trailer von Assassin’s Creed: Revelations verwendet und zog so erste Aufmerksamkeit auf Woodkid. Manchen ist ein anderer, ebenfalls genialer, Song "Run boy Run" vielleicht auch aus den O2 Priority Sports - powered by Nike+ bekannt. Dabei eignet sich seine ungewöhnliche Musik nicht nur als Hintergrundmusik, sondern kann auch allein sehr gut bestehen, so finden sich mit u.a. "Conquest of Space" und "I Love You" noch viele weitere Perlen auf der CD. Er kombiniert Trommeln, Trompeten und Streicher mit poppigen Elementen und erschafft so seinen eigenen unverwechselbaren Sound, der sehr besonders klingt. Seiner Intention, das der Hörer sich wie ein Held fühlen soll, wenn er seine Musik hören soll, kommt er durch die ungewöhnliche Kombination von weichen und harten Soundelementen sehr nahe und scheint damit den Zeitgeist voll zu treffen.

Getragen von seiner warmen Stimme, nimmt er den Hörer mit auf die Reise eines kleinen Jungen, der versucht erwachsen zu werden und dabei die Höhen und Tiefen des Lebens kennenlernt. Auch wenn mich die monochromen Videos nicht besonders umhauen, so gefällt mir doch seine Musik um so besser, die man am besten laut aufdreht und auf sich wirken lässt.

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8Nov/124

Wir sind dann mal whack – TTZ als Retter des deutschen HipHops

Darauf hat die Welt lange und sehnsüchtig gewartet, die "Kunstrapper" Julius Fischer und André Herrmann vom Team Totale Zerstörung (TTZ) veröffentlichen nun ihr erstes Album "Wir sind dann mal whack!". Wer sich fragt, ob Poetry Slam mit Musik funktionieren kann, der darf beruhigt sein, es funktioniert. Witzige und tiefsinnige Texte mit knallharte Punchlines, nach denen sich jeder Pseudorapper die Finger leckt, unterlegt mit fetten Beats und das alles "Straight outta Leipsch".  Herz was willst du mehr? An den besten Stellen erinnern Sie an TTZ in ihren besten Zeiten, wenn es nicht ganz so gut läuft kann man sie noch mit Fanta 4 an ihren frühen Tagen vergleichen. Nur etwas mehr Mut zu  Musik hätte das Album noch besser machen können, so sind nicht alle Tracks mit Beats unterlegt, doch liefern diese beste Poetry Slam Kultur. Authentischer Rap ist rar geworden und bei TTZ kommt es wirklich auf die Texte an, also Lauscher auf und rein mit dem Album:

Das soll keine Hymne sein, dafür fallen uns 1000 Gründe ein. (Straight outta Leipsch)

Wir kommen nicht aus dem Hip Hop, wir kommen aus dem Osten. Unsere Hosen sind nicht Baggie, sondern Kik-Restposten. [...] Wir sind TTZ und uns treibt die Empörung, wir hassen Menschen und fordern die totale Zerstörung. (Egal)

Die Basis ist das Fundament jeglicher Grundlage. (Girls Girls Girls)

Sie haben als Poetry Slammer nahezu alles gewonnen was man gewinnen kann, was auch immer das heißt, u.a. die deutsche Meisterschaften im Poetry Slam 2011, die sie dieses Jahr zu verteidigen suchen, und dürften den meisten Szenekundigen bekannt sein. Aber vielleicht kommt ja jetzt der überszenige Ruhm und die Weltherrschaft gibt's dann natürlich gratis dazu. Sie haben keine Scheu vor Niveaulosigkeiten, doch haben sie die Klasse diese elegant zu verpacken und so reicht die Themenbreite vom Beckenboden der Gesellschaft über Egalitäten bis hin zu Thilo Sarazin und auch eine Leipzig Hymne ist dabei.

Hymnen hat es für Leipzig schon viele gegeben, aber noch keine war so passend wie diese, wahrscheinlich weil es keine sein will. Was das Brandenburglied von Rainald Grebe für Brandenburg, ist dies für Leipzig, natürlich nur echt mit Halle und Berlin-Diss.

Das TTZ noch ein Geheimtipp ist, sollte nicht mehr lange so bleiben, Heldenstadt.de schreibt z.B.:

Heroen-Klartext statt Kuschel-Flow, Plastik-Bläser statt Karli-Girls, Pullerblase statt Klein-Paris. Berlin-Diss inklusive. Wir sind begeistert und bereits auf das offizielle Video gespannt."

Rap.de twittert:

Albumtitel für die Ewigkeit: "Wir sind dann mal whack"

Saxroyal.de schreibt:

Doch die zwei verleugnen auch ihren inneren Abiturienten nicht und lassen sich zu subtilen Gefühlsbekenntnissen und intellektuellen Wortspielereien hinreißen, die selbst Sozialarbeiter und Kunstpädagoginnen begeistern werden.

Hier ein Auszug aus einer anderen grandiosen Rezension von diesistkeineuebung.com, auch wenn sie es mit dem zählen nicht so hat, so beschreibt sie es doch ziemlich treffend:

10 Gründe, warum Sie dieses Album hören (und zuvor käuflich erwerben!) sollten:

  • Es ist ein sehr gutes Produkt.
  • Das ist kein Poetry Slam, das ist Gangsta Rap. Und höchst krass übelst geil. Alta.
  • André Herrmann singt Musicals.
  • Wohl niemand sagt so schön “Görls”, und mit diesem grandiosen Zungenschlag “Lllladies”, niemand hat so eine miese Street-Credibility und niemand ist so gut in Mathe wie die beiden Herrn mit dem Milchbubi-Gen.
  • Das ist die Leipziger Rap-Szene. Die müssen jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren.
  • “Punker, die zu Musik tanzen, zu der andere nichtmal sterben würden.”
  • Ihre seit Jahren durch dieses Internet geisternde Hymne an die Frauen (“Girls Girls Girls”) gibt es nun endlich in optimaler Soundqualität. Hören Sie, wie man ”die Frau macht aus dem herkömmlichen Mann einen einzigartigen” und “FICK DICH DU SCHWEIN!!!” in einem Satz unterbringen kann.
  • Dann wären da noch die Dramen auf Parties, bei denen alles geht, aber niemand aufs Klo, Dramen im nicht vorhandenen Kontakt mit Frauen zwischen Pausenhof, außerdem Malte und in jeder Schicht der Maya-Pyramide 98% Arschlöcher.
  • Das sind die Männer, die im Kongo Löwenbabies rauben und Marc-Uwe Kling dissen, die Frage, was von beiden gefährlicher ist, können Sie sich selbst beantworten, ich sage nur so viel: Afrika ist weit weg, aber Marc-Uwe Kling wohnt in Deutschland.
  • Das waren alles Anspielungen. Die werden Sie verstehen, wenn Sie das Album kaufen und hören. Also: tun Sie es.
  • Und denken Sie daran: “am 21.12. wird auch Tim Bendzko nichts mehr gegen den Weltuntergang ausrichten können.”
  • BAMMM!
  • Wer sonst nennt sich Kunstrapper, baut einen Beat auf “Gogh, Gogh, Gogh, van Gogh” und reimt klassische Musik auf übertriebene Gewaltdarstellung drastisch überwiegt? Es gibt dazu auch eine Choreographie, im Kunstrap heißt das Performance, und die sollten Sie sehen. Das geht gerade noch, 7-Tage-Schonfrist sei Dank, in der ZDF-Mediathek. Hier. Steigen Sie bei Minute 33:20 ein.
  • Grund Nummer zehn:  ”Man muss ein Verlangen bis ins Unendliche steigern, bevor man der verlangten Sache habhaft werden kann.”

Im krassen Unterschied zur Authentizität von Julius Fischer und André Herrmann steht das blutleere Staraufgebot in Stefan Raabs neuestem Musikvideo, bei dem z.B. Campino als Düsseldorfer über seine Liebe zu Köln singt, das muss man nicht mehr verstehen. Da bekommt man Angst, das mit dem Ruhm und dem Erfolg auch die Belanglosigkeit kommt. Vielleicht hat man nur etwas zu sagen, wenn man nicht ganz oben in der Nahrungskette steht. Aber ungeachtet dessen wünsche ich TTZ viel Erfolg mit dem famosen Album und wünsche alles Gute bei der totalen Zerstörung gegen die auch Tim Bendzko nichts ausrichten kann.

Wer sie unterstützen will kauft am besten über diesen Link von André Herrmanns Seite.

15Mrz/120

Ok Go “Needing/Getting” – die Videoverrückten

Über Videos zu bloggen ist immer ein bisschen sinnlos, da diese heute so schnell geliket und via Facebook und Konsorten so schnell verbreitet werden, dass man kaum mit dem Tippen hinterherkommt. Allerdings will ich euch der Vollständigkeit halber trotzdem auf das folgende Video der Band OK Go aufmerksam machen. Das die Jungs für ihre außergewöhnlichen Videos bekannt sind, ist nichts neues, spätestens seit ihrem Rube-Goldberg-Maschinen-Video sind sie wohl den meisten ein Begriff.

Aber nun zum neuen Video der Band, zum Song Needing/Getting vom Album "Of The Blue Colour Of The Sky" ließen sie sich mal wieder etwas eher ungewöhnliches einfallen. Hier wurde auf einer Strecke von über 3 km verschiedenste Musikinstrumente oder sagen wir lieber Gegenstände die Töne produzieren aufgebaut. Von Klavieren und Gitarren, die man getrost zu den konventionellen Musikinstrumenten zählen darf, über Fässer die mit Drahtseilen bespannt sind, die gemeinhin eher zu den unkonventionellen Musikinstrumenten gezählt werden, bis hin zu einem simplen Holzbrett an dem man mit einem einfachen Stock langfährt, was eher seltener als Musikinstrument Verwendung findet, in allem steckt Musik. Achja, gespielt werden die Instrumente nicht etwa wie man annehmen könnte mit der Hand, sondern mit einem etwas umfunktionierten Chevrolet Sonic. 4 Monate Vorbereitung und 4 Tage Drehzeit nahm das Projekt in Anspruch bei dem ein wirklich außergewöhnliches Musikvideo herauskam. Seht es euch einfach an, wer missen will dem empfehle ich auch noch das zweite Video, dieses bietet ein paar Hintergrundinformationen zu den Dreharbeiten.

P.S: Man kann die Version des Songs sogar kostenlos und legal auf der Facebookseite der Band herunterladen, natürlich muss man sie dafür liken.

11Sep/111

Waters – Die Nachfolger von Port O’Brien

Zu einem der traurigsten Momente gehört es, wenn sich eine Lieblingsband auflöst, wenn es definitiv wird, das kein weiteres Album oder Konzert mehr kommen wird. Umso schöner ist es, wenn der Geist der alten Band in ein neues Projekt gerettet wird und somit weiterlebt, mit seiner neuen Band Waters, die das Nachfolgeprojekt von Port O'Brien ist, gelingt dies Van Pierszalowski. Der ein bisschen an Kurt Cobain erinnerte Frontsänger sammelt ein mal mehr talentierte Musiker um sich und wagt einen weiteren musikalischen Neuanfang. Es durfte wohl als kein gutes Zeichen gewertet werden, das die letztjährige Europatournee Port O'Briens nicht in der Stammbesetzung stattfand, traurige Gewissheit erlangte man als Sie im Mai 2011 auf  ihrer Facebookseite das Ende der Band bekannt gaben, doch da jedes Ende auch ein Anfang ist, war dies der Beginn von Waters.

Auch wenn das Tempo der Songs schneller und die Stimmung etwas chaotischer geworden ist, so fühlt man sich als Port O'Brien Fan in den Waterssongs auf dem großartigen Debutalbum Out in the Light sofort zu Hause und wird so, zumindest ein bisschen, mit der Trennung Port O'Briens versöhnt. Die irgendwo zwischen Nirvana und Coldplay anzusiedelnden Songs nehmen einen einmal mehr mit auf eine musikalische Reise, die von energiegeladenen Rocksongs bis melancholische Singer/Songwriter Balladen alles zu bieten hat was eine moderne Alternative Band ausmacht. Allein der erste Song "For the One" ist ein richtiges Meisterwerk, das mit jedem Hören an Größe gewinnt und das ganze Potential aufzeigt, was in dieser Band steckt, grandioser schnörkelloser Rock getragen von der ausdrucksvollen Stimme Van Pierszalowskis. Natürlich ist Waters nicht Port O'Brien, doch bleiben altbekannte Thematiken wie das Meer, als verbindendes Element zwischen den Bands erhalten, ganz nach dem Motto: "Alles anders und doch gleich". Wer das Album hören will kann dies nach Anmeldung bei Simfy kostenfrei tun oder es einfach bei Amazon erwerben um so die Band unterstützen, damit nicht eine weitere gute Band zum Scheitern verurteilt ist.

Wer noch mehr Infos zu Waters haben will sollte hier alles bekommen:

2Apr/111

Efterklang “An island” – Online Global Screening eines Meisterwerks

Gestern Abend war ich auf einem der letzten 1178 private-public Screenings des Films "An Island" von Vincent Moon, der mit Hilfe der dänische Band Efterklang eine der besten Musikdokumentationen schuf die ich je gesehen habe.

Im Grunde ist es ein 50 minütiges Musikvideo, ist es doch die Vertonung des Albums Magic Chairs, das scheinbar keine große Handlung, aber doch einen großen Zusammenhang hat: Die Musik. Sie steht im Zentrum und steckt in jedem Detail, egal ob das Geräusch eines Regentropfen oder einer Feder eingefangen wird oder Efterklang mit anderen Musikern ein Lied in einer kleinen Scheune oder in einer Aula singen, die Musik ist das zentrale Element was diesen Film trägt.

Vincent Moon findet genau die richtigen Bilder, die die melancholisch elektronische Musik untermalen und nicht stören. Es ist keine Dokumentation einer Tour mit geheimen Einblicken in den Tourbus oder die Künstlergarderobe, es gibt kein Gekünstel, keine Show, keine Affektiertheit. So rein wie die Musik, so natürlich sind die Bilder und diese audiovisuelle Authentizität zeichnet "An Island" aus. Das perfekte Zusammenspiel aus Ton und Bild nimmt einen mit auf eine Reise in die Kindheit der Band auf der zauberhaften dänischen Insel Als und es erscheint einem wie im Traum. Der Anfangs sehr experimentelle Film findet spät, aber dann doch noch ins Konkrete und sollte so auch nicht so experimentierfreudige Zuschauer ansprechen und sie motivieren durchzuhalten.

The objective was to shoot a film. A film with the same length as an album, and a film full of performances, experiments and collaborations. 
Over an intense period of 4 days Efterklang collaborated with more than 200 local musicians, kids and their own parents, creating new performances and interpretations of songs from their album Magic Chairs (4AD, Rumraket 2010).

Alle, die die Screenings verpasst haben oder die ihn noch einmal sehen wollen, können den Film die nächste Woche auf pitchfork.com noch online sehen. Da der Film aber unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-Share Alike 3.0 License steht, gehe ich davon aus, dass er jetzt, wo die Screenings vorbei sind, bald auch als freier Download bereitgestellt wird und/oder gegen eine kleine Spende auf DVD erworben werden kann.

Für alle die noch mehr wissen wollen, gibt es ein sehr lesenswertes Interview auf detektor.fom. Wen der Teaser auf den Geschmack gebracht hat, kann sich hier nun der ganze Film ansehen, der aber nur eine Woche zu sehen ist: