Schlatterblog Stuff by schlatterboy

26Feb/121

Blogschau: Groundhogs Day – der Maskierte meets Kloß und Spinne

Da meine Millionen von Lesern natürlich mehr als gespannt sind von mir kulinarische Köstlichkeiten aus der Welt des Internets mitgeteilt zu bekommen, gibt es heute etwas mal wieder was aus dem Bereich "auch andere Leute haben interessante Sachen zu sagen" aka Blogschau. Man nehme eine Prise IT, einen gehäuften Löffel Filmwissenschaft, eine Handvoll Autofahrerflame, nehme noch ein wenig subjektive Weltsicht und füge etwas Ironie hinzu, fertig ist der Groundhog Blog. In eine Mischung aus dem Maskierten und Kloß und Spinne schreibt er, wie jeder andere Blogger auch, über Sachen die die Welt nicht interessiert, aber das wenigstens in einer subtil ironischen Art. Ein Mann der über sich selbst sagt, dass er "von tibetanischen Crackmönchen in Sachsen ausgesetzt" wurde und wenn man ihm zum Thema welche Hautcreme er benutzt, antwortet:

Nivea Creme ohne Konservierungsstoffe. Nivea Creme ist die unübertroffene
Hautpflege für jeden Hauttyp. Reichhaltigen Pflegesubstanzen und hautverwandtes, rückfettendes Eucerit versorgen die Haut mit allem, was sie braucht, um rein, frisch, und gepflegt zu bleiben.

Im Prinzip nehm ich jedoch sehr selten und unregelmässig Hautcreme zu mir

kann so verkehrt nicht sein. Mit unglaublicher Weitsicht stellt er fest, das es Winter ist, in dem

Der schreckhafte Fahrzeugführer mit Hang zur Zeitlupenfahrt

neigt und gibt Tipps, wie man mit einem normalen Biorhythmus erreicht:

Da ich nun schon seit 4 Tagen nicht damit klar komme meinen Biorhythmus dem der normalen Bevölkerung in meiner Zeitzone anzupassen, verwandelt sich mein Schlafmangel in einen kreativen Zustand der geistigen Matschigkeit.

Wer regelmäßiger Leser meiner nicht so regelmäßig erscheinenden Oscarfilme ist, und einen kleinen Einblick über die Oscarnomminierten für 2011 haben will, ist bei seinem neusten Werk an der richtigen Adresse. In mühevoller Kleinstarbeit hat sich Groundhog stundenlang vor die Glotze gehangen und sich einem nach dem anderen Kandidaten reingezogen. Gefesselt an den Stuhl, nicht immer vor Spannung, sondern einfach, damit er nicht wegrennt gibt er einen guten Überblick über das Oscarfilmjahr 2011:

Es riecht nach rotem Teppich und Popcorn, die Oscars stehen wieder vor der Tür und das möchte ich zum Anlass nehmen euch meine Meinung zu den Kandidaten in der Kategorie Bester Film zu Präsentieren.

Bei so viel Vorschusslorbeeren, bleibt nur zu hoffen, das es immer wieder den ein oder anderen qualitativ hochwertigen Blogpost geben wird, und der Blog nicht so bald in den ungeahnten Weiten des Internets versinken wird.

20Jan/111

Blogschau: Schnipselfriedhof.de – Behind Kloß und Spinne

Ich habe zwar dieses Weblog und bin bei Facebook, aber eigentlich bin ich sowas von Web 1.0, das gibts gar nicht. (Volker Strübing)

Wer letztens das Video von Kloß und Spinne gesehen hat, konnte dem vielleicht etwas abgewinnen, heute geht es nun um den Mann dahinter. Auf schnipselfriedhof.de erscheinen seit 2006 von Volker Strübing u.a. die formidablen Videos von Kloß und Spinne (jetzt auch als DVD erhältlich), selbst aufgenommene Fotos sowie interessante Geschichten aus dem Alltag. Meist sehr witzig und erfrischend geschrieben macht es Spaß sich durch den Blog des Autors, Filmemacher, Fotografen, Liedermacher und Poetryslammer zu klicken, dabei stolpert man über das ein oder andere interessante Fundstück, wie z.B.:

Vielleicht wird es vorher schon einen Kloß-und-Spinne-Film im Kino geben, ich hab ihn schon ganz genau vor Augen: 137 Minuten, nur eine einzige Einstellung und natürlich in 3D. In den ersten 135 Minuten passiert praktisch nichts. Kloß trinkt sein Bier, Norbert denkt mit geschlossenen Augen über die Welt nach und die Katze atmet. Dann kommt Spinne rein und sie reden noch zwei Minuten darüber, dass Filme heutzutage ja oft viel zu hektisch geschnitten und völlig überfrachtet sind. (Volker Strübing)

Und ich muss sagen, das fände ich mal einen mutigen Film, selten wird man einen so authentisch, wahrhaftig und realistischen Film gesehen haben. Selten wird ein Film mit so wenig so viel ausgedrückt haben, natürlich abgesehen von dem überbordenden 3D und den brutalen Actionsequenzen in denen Kloß todesmutig den Kampf mit dem Bier aufnimmt. Es würde die Filmlandschaft revolutionieren, würde es doch der alltägliche Action-Close-Up-Wahnsinn verdrängen, wer braucht schon Hollywood wenn er Strübywood kriegen kann? Aber genug der Fantasterei, natürlich gibt es auch abseits von Kloß und Spinne viel zu entdecken. Zum Beispiel interessante Einsichten in die Deutsche Bahn:

Bahncard50, die: Plastikkärtchen im Scheckkartenformat, das den besitzer zum Erwerb von Fahrkarten zum regulären Preis berechtigt. Nichtbesitzer zahlen das Doppelte. Sympathisch ist die augenzwinkernde Selbstironie, mit der die Deutsche Bahn darauf beharrt, den doppelten Fahrpreis als normalen und den BC50-Tarif als „halben“ Fahrpreis zu bezeichnen. (Volker Strübing)

Auch nachdenkliches findet sich auf dem Blog, etwa eine Seblstreflektion zum schlechten Gesichtsgedächtnis, das er mit einer krassen Geschichte belegt, die einem fast unglaubhaft vorkommt:

Eines Abends, es war sehr voll und ich drängelte mich fünf Minuten vor Beginn der Show zur Bar durch, um irgendetwas mit dem Licht oder dem Ton zu klären, sprach mich eine Frau an. Sie kam mir vage bekannt vor, aber ich wusste einfach nicht, woher und wie gut ich sie kannte. Ich hatte damals gerade beschlossen, das Problem offensiv anzugehen und in solchen Fällen nachzufragen, statt es durch irgendwelches unverbindliches Rumhalloen und Undwiegehtsgeplapper zu überspielen.

Ich sage also: „Ah hi, ähm … entschuldige … woher kennen wir uns gleich nochmal?“
Die Frau schaut mich mit riesigen Augen an und sagt: „Ich bin deine Schwester!“ (Volker Strübing)

Das er mit mehr als "nur" mit Worten umgehen kann zeigen die folgenden Bilder, diese sind alle auf dem Blog zu finden:

30Dez/101

Gegen “Leistungsschutzrecht für Verleger” – Für “@Sixtus statt Böller”

Es ist eine verrückte Idee. Und wahrscheinlich wird es nicht klappen. Doch wenn wir alle verrückten Ideen direkt begraben würden, dann führen wir heute wohl noch immer mit Postkutschen durch die Gegend. Diese Idee ist kleiner. Weniger bedeutend. Aber gelänge ihre Umsetzung, wäre sie ein deutliches Signal.

So schreibt Thomas Knüwer auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache, er bezieht sich damit auf die momentan laufende Diskussion um ein Leistungsschutzrecht für Verleger und verweist auf einen auf Carta veröffentlichten offenen Brief von Mario Sixtus der einige Wellen geschlagen hat und den man sich auf jeden Fall zu Gemüte führen sollte.

Für alle die mit dem Thema Leistungsschutzrecht nichts anfangen können, denn auch an mir ist die Diskussion bis jetzt unbemerkt vorübergegangen, kurz ein paar Fakten. Ein Leistungsschutzrecht ist dem Urheberrecht sehr ähnlich und dreht sich in diesem speziellen Fall darum, dass die Bürger für die frei im Internet erhältlichen Inhalte der Presse eine Gebühr entrichten sollen, da

„sich die Presseunternehmen gegen eine unentgeltliche Ausnutzung ihrer Angebote im Internet zur Wehr setzen müssten.“ (siehe Wikipedia)

Das sie diese Angebote natürlich auch einfach gebührenpflichtig schützen könnten, steht dabei gar nicht zur Debatte. Das Prinzip ist folgendes: geht man zu einem Zeitungsladen und kauft eine Zeitung, bezahlt man diese. Im Internet läuft das Ganze momentan so, dass man die Zeitung, zwar mit Werbung vollgestopft, aber kostenfrei kriegt. Nun soll damit Schluss sein, schließlich will man ja auch Geld verdienen. Damit hätte ich an sich kein Problem, wenn sie das in einem der mehr oder weniger erprobten Bezahlsystemen machen würden, die manche Onlineangebote versuchen, aber nicht, wenn es um eine verbindliche Gebühr geht, für Angebote, die ich gar nicht nutze. So eine "Verleger-GEZ", wie Sixtus schreibt, finde ich absurd, haben doch die Verlage selbst ihre Inhalte unentgeltlich zur Verfügung gestellt und steht es ihnen doch frei sie gebührenpflichtig zu schützen, aber bitte nicht in Form einer gesetzlich verpflichtenden Gebühr.  Außerdem sollen Suchmaschinen wie Google, von denen die Onlineangebote viele Besucher kriegen, dafür bezahlen, dass sie auf die Seite verlinken,

das ist in etwa so, als würde ein Restaurantbesitzer Geld von den Taxifahrern verlangen, die ihnen Gäste bringen. (siehe Sixtus offener Brief)

2009 haben CDU und FDP das Leistungsschutzrecht für Verleger in ihren Koalitionsvertrag geschrieben und so einmal mehr ihre exorbitante Medienkompetenz bewiesen. Das so etwas Gesetz werden soll, zeigt das Unwissen der Politiker, was den technischen Fortschritt betrifft, aber was will man erwarten, wenn die Politiker die heute an der Macht sind, die im Gestern aufgewachsen sind und über das Morgen entscheiden, ohne das Heute überhaupt zu kennen. Das Ganze ist frei nach dem Motto "Es bleibet dabei, die Gedanken sind frei! - Näheres regelt ein Bundesgesetz." wie @aprica im Twitter schreibt, nach dem temporär gescheiterten Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ist das der nächste Versuch das Internet kontrollieren zu wollen, anstatt es verstehen zu wollen.

Diese Gebühr ist eigentlich nur das Eingeständnis der Verlagshäuser, das sie mit den veralteten Geschäftsmodellen im digitalen Zeitalter nicht mehr weiterkommen. Die Rettung des sogenannten Qualitätsjournalismus, der mittlerweile nur allzu oft darin besteht, aus dem Internet zu kopieren, ohne die Quellen zu nennen oder diese auf Vertrauenswürdigkeit zu prüfen,  ist sicherlich von Nöten, wird so aber wohl nicht erreicht, hier soll einfach nur doppelt abkassiert werden.

Die Öffentlich-Rechtlichen sind aufgrund ihrer Gebührenfinanzierung eure erklärten Todfeinde, andererseits wollt ihr euch in gebührenfinanzierte Verleger verwandeln? Ja habt Ihr denn überhaupt keinen Stolz?

Und nun zu "Sixtus statt Böller", seien wir mal ehrlich, wer beteiligt sich an den Diskussionen im Internet, wer hält sich über solche technopolitischen Themen wie Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, Vorratsdatenspeicherung oder eben jetzt das Leistungsschutzrecht auf dem laufenden? Es ist nur ein kleiner Teil und es sind sicher nicht die Politiker die am Ende darüber entscheiden, ob dieses Leistungsschutzrecht in Kraft tritt. Um eben diese "Offliner" zu erreichen und um ein Zeichen zu setzen sammelt Martin Ötting Geld für eine Zeitungsanzeige und Thomas Knüwer plädiert dafür Geld zu spenden anstatt Böller zu kaufen. Doch warum grade eine Zeitungsanzeige?

Nun kann ich verstehen, wenn es Menschen gibt, die jene Idee ungut finden. Schließlich finanziert man so jene, die kritisiert werden sollen. Das Argument ist stichhaltig. Aber: Ich wünsche mir ja, dass der Journalismus weiter existiert. Verlage an sich sind nicht das Böse – sie werden nur absurd schlecht gemanagt. Jene Köpfe in den Verlagen, aber auch viele Journalisten, scheren sich nicht darum, was im Internet so steht. Eine Print-Anzeige im eigenen Blatt (oder einem respektierten anderen Medium) wäre ein Aha-Effekt.

Das trifft auch auf die andere Zielgruppe zu, die ich sehe: die Politik. Für die meisten Volksvertreter sind digitale Medien nicht vertrauenswürdig – oder, noch wahrscheinlicher, nicht auf dem Radarschirm. Das ist traurig, aber wahr. Auch hier würde eine Print-Anzeige einen Überraschungseffekt auslösen. (Thomas Knüwer)

Ob denn so eine Seitenanzeige, die mit 30 000€ wirklich nicht billig ist, funktioniert, sei nun dahingestellt, allerdings finde ich es allemal besser, als nicht zu tun. Natürlich wird man so die Politik nicht revolutionieren können, aber es ist nichtsdestotrotz eine schöne Aktion. Und heißt nicht genau das Demokratie zu leben? Also wer spenden will kann dies auf betterplace.org gerne tun.

Wer mehr zu der Problematik wissen will, kann sich seit dem auf der Seite der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (IGEL) informieren und die folgenden Links lesen, vorallem der Brief von Sixtus sei nochmal empfohlen: