Schlatterblog Stuff by schlatterboy

26Feb/121

Blogschau: Groundhogs Day – der Maskierte meets Kloß und Spinne

Da meine Millionen von Lesern natürlich mehr als gespannt sind von mir kulinarische Köstlichkeiten aus der Welt des Internets mitgeteilt zu bekommen, gibt es heute etwas mal wieder was aus dem Bereich "auch andere Leute haben interessante Sachen zu sagen" aka Blogschau. Man nehme eine Prise IT, einen gehäuften Löffel Filmwissenschaft, eine Handvoll Autofahrerflame, nehme noch ein wenig subjektive Weltsicht und füge etwas Ironie hinzu, fertig ist der Groundhog Blog. In eine Mischung aus dem Maskierten und Kloß und Spinne schreibt er, wie jeder andere Blogger auch, über Sachen die die Welt nicht interessiert, aber das wenigstens in einer subtil ironischen Art. Ein Mann der über sich selbst sagt, dass er "von tibetanischen Crackmönchen in Sachsen ausgesetzt" wurde und wenn man ihm zum Thema welche Hautcreme er benutzt, antwortet:

Nivea Creme ohne Konservierungsstoffe. Nivea Creme ist die unübertroffene
Hautpflege für jeden Hauttyp. Reichhaltigen Pflegesubstanzen und hautverwandtes, rückfettendes Eucerit versorgen die Haut mit allem, was sie braucht, um rein, frisch, und gepflegt zu bleiben.

Im Prinzip nehm ich jedoch sehr selten und unregelmässig Hautcreme zu mir

kann so verkehrt nicht sein. Mit unglaublicher Weitsicht stellt er fest, das es Winter ist, in dem

Der schreckhafte Fahrzeugführer mit Hang zur Zeitlupenfahrt

neigt und gibt Tipps, wie man mit einem normalen Biorhythmus erreicht:

Da ich nun schon seit 4 Tagen nicht damit klar komme meinen Biorhythmus dem der normalen Bevölkerung in meiner Zeitzone anzupassen, verwandelt sich mein Schlafmangel in einen kreativen Zustand der geistigen Matschigkeit.

Wer regelmäßiger Leser meiner nicht so regelmäßig erscheinenden Oscarfilme ist, und einen kleinen Einblick über die Oscarnomminierten für 2011 haben will, ist bei seinem neusten Werk an der richtigen Adresse. In mühevoller Kleinstarbeit hat sich Groundhog stundenlang vor die Glotze gehangen und sich einem nach dem anderen Kandidaten reingezogen. Gefesselt an den Stuhl, nicht immer vor Spannung, sondern einfach, damit er nicht wegrennt gibt er einen guten Überblick über das Oscarfilmjahr 2011:

Es riecht nach rotem Teppich und Popcorn, die Oscars stehen wieder vor der Tür und das möchte ich zum Anlass nehmen euch meine Meinung zu den Kandidaten in der Kategorie Bester Film zu Präsentieren.

Bei so viel Vorschusslorbeeren, bleibt nur zu hoffen, das es immer wieder den ein oder anderen qualitativ hochwertigen Blogpost geben wird, und der Blog nicht so bald in den ungeahnten Weiten des Internets versinken wird.

29Nov/113

Blogschau: Der Maskierte – Zorro mit Patchkabeln

Ich hoffe necromax nimmt es mir nicht übel, wenn ich über diesen Blog berichte, schließlich hat er mich erst auf ihn gebracht.

Wie Zorro, nur ohne Degen. Dafür mit vielen Patchkabeln!

So steht es als Motto unter den Blognamen "Der Maskierte", und das Motto ist Programm. Wer schon immer mal wissen wollte, wie das Leben eines handelsüblichen Administrators so aussieht, der ist hier an der richtigen Stelle. Geschildert wird der alltägliche Wahnsinn, den der Beruf so mit sich bringt, vom Präsentation über Nacht erstellen über Dienstreisen mit dem Häuptling nach Rom bis hin zum Fesseln des Azubis mit Allzweckpatchkabeln passiert dem Maskierten so einiges. Der Stromberg der IT zeichnet so ein vielfarbiges Bild der IT-Welt, das für jeden der sich darin bewegt einen gewissen Wiedererkennungswert liefert und für alle anderen zumindest informativ und belustigend sein kann. Hier ein paar Leseproben:

So kam es, dass sich plötzlich die Telefonnummer von Herbert Eck-Tisch auf meinen Netzhäuten manifestierte. Herbert war seines Zeichens ein langjähriger Kunde des Produkts Brötchenbringer, das im Hause meines Brötchensponsors entwickelt wurde. Würde man ihn mit einem atomaren Unfall vergleichen müssen, so würde er ohne Widerworte als INES-Stufe 7 klassifiziert. Ich streifte mir also mein Headset über und sah einer ganz und gar nicht strahlenden nahen Zukunft für mich entgegen.

IAEO, es spricht Der Maskierte höchstpersönlich. Mit welcher Kettenreaktion darf ich Ihnen dienen?

(Quelle: dermaskierte)

Glücklicherweise machten die Vorausfahrenden noch rechtzeitig vor dem bevorstehenden Herzklappenabriss Platz, so dass der neben dem Taxi herfliegende Sensenmann immer wieder enttäuscht zurückfiel, nur um kurz darauf wieder aufzuholen.

(Quelle: dermaskierte)

Über folgenden Suchbegriff, der zu mir führte, bin ich gerade gestolpert:

name für maskierten

Wer hier jetzt den Namen sucht, unter dem ich bei Interpol zur Fahndung ausgeschrieben wurde, und den Töchter ängstlich ihren Müttern zuraunen, wenn diese abends auf die Straße gehen, den muss ich  leider enttäuschen. Diesen wird man hier niemals finden.

Wer aber wissen möchte, wie man mich korrekt anspricht, dem kann geholfen werden. Die korrekte Ansprache lautet:

Maskierter

Ich hoffe geholfen zu haben.

(Quelle: dermaskierte)

Also  wer etwas Licht in seinen tristen Büroalltag bringen will kann ja gerne mal beim Maskierten, der einen manchmal etwas an den BofH erinnert, vorbeigucken und ihn bei seinen Streifzügen durch die It-Unwelten begleiten.

Bildquelle: Ben Fredericson (xjrlokix) via Flickr

16Mai/113

Digitaler Tempowechsel

Früher habe ich einfach drauf los geschrieben, habe Videos der Woche, Bilder oder Gutscheine gepostet, doch das will ich momentan nicht tun. Denn ich stelle mir immer öfter die Frage, ob es sich wirklich lohnt über eine Sache zu schreiben und ob das wirklich jemanden interessiert. Ich finde, dass sich diese Frage heutzutage viel zu wenig Leute stellen. Abgesehen vom täglichen Spam, an den man sich schon gewöhnt hat, bleibt man in Zeiten des digitalen Überinformationszeitalters von nervigen Statusmeldungen seiner "digitalen" Freunde auf Facebook, Studivz, [dein soziales Netzwerk hier] oder Twitter nicht verschont. Das das meiste von dem, was da in das weltweite Netz (auch www genannt) hinaus geschickt  wird, eigentlich gar keinen interessiert, ist dabei Nebensache. Musste man früher noch einen Leserbrief an eine Zeitung schreiben um Gehör zu finden, ist die Hemmschwelle um seine Meinung kundzutun heutzutage faktisch nicht existent. Hinz und Kunz haben ihren eigenen Blog und haben in Sekundenschnelle ihre Meinung zum Thema X/Y veröffentlicht und jeder der will kann twittern, das er sich grade auf dem Klo befindet. Machten sich früher Eltern darüber Gedanken, was ihre Kinder donwloadeten haben sie heute eher Angst vor dem, was sie uploaden, denn noch nie war es so einfach sinnlosen Scheiß mit der Welt zu teilen.

Ich spreche dem sozialen Netz nicht seinen Nutzen oder gar seine Daseinsberechtigung ab, macht es doch einfach Spaß sich mit Freunden über die vergangene Party auszutauschen, Sachen zu liken und miteinander im Kontakt zu bleiben, allein das exzessive unreflektierte Nutzungsverhalten gibt mir zu denken. Natürlich ist niemand gezwungen an dieser digitalen scheinheilo Welt teilzunehmen und hat jederzeit die Möglichkeit sich auszuklinken aus diesem digitalen Stress, doch fällt es in der zunehmenden Digitalisierung der Welt immer schwerer. Jeder hat seine Art um mit diesem Überangebot an Informationen umzugehen, eine radikale gibt es hier nachzulesen, wobei ich nicht finde, dass die Smartphones die Wurzel des Übels sind. Sicher geht es mit einem modernen mobilen Endgerät bedeutend schneller an der digitalen Müllhalde mitzuarbeiten, doch bedient noch immer der Benutzer das Handy und nicht andersherum.

Jedenfalls bleibt festzuhalten, das jeder sein digitales Tempo finden muss und selber für sich entscheiden muss, mit wem er was zu welchem Zeitpunkt teilen will.

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30Mrz/114

Mydealz – Ein Insider packt aus

MyDealzEr sieht eigentlich ganz normal aus, vielleicht ein bisschen blass, aber sonst nicht anders als handelsübliche Anfangzwanziger. Er kommt aus dem gesicherten Mittelstand, hat Abitur und studiert oder arbeitet in der IT-Branche. Doch aus Angst vor Verfolgung möchte er nur sinngemäß wiedergegeben werden und alle Hinweise auf seine wahre Identität wurden entfernt, Namen, Orte und Daten geändert. Nennen wir ihn also Daniel A., im Folgenden nur noch D. Agobert genannt. Gnadenlos ist sie, diese Internetwelt, die nichts vergibt und erst rechts nichts vergisst. Grausam ist sie, die Community, die jede gut gemeinte Diskussion in einem endlosen Trollkrieg zwischen unversöhnlichen Gegensätzen enden lässt.

Früher hat er sich über die Schnäppchenjäger lustig gemacht, er verstand nicht wie man Angebote von Supermärkten vergleichen konnte um 10 Cent bei Milch zu sparen. Er machte sich lustig über Leute die vor Aldi kampierten um den Deutschland PC als erster zu haben oder Media Markt bei der Eröffnung stürmten (Video). Letzte Woche noch hatte er sich über die Apple-Jünger echauffiert die wegen dem "iPad 2" stundenlang Schlange standen und wie hier beim iPad 1 den Laden belagerten (Video). Doch auf einmal stand D. Agobert selber vor einem Laden und wartete.

Es gab keine monatelang angekündigte sagenumwobene Keynote, die den revolutionären Verkaufsstart eines neuen iMessias versprachen, aber er stand hier. Wer konnte auch wissen, das Vodafone seine Läden erst 10:00 öffnet? Er hatte wie jeden Morgen noch im Bett liegend die Seite seines Vertrauens auf die neuesten Dealz gecheckt und konnte sein Glück kaum fassen. Schon nach den ersten 10 Minuten gab es 100 Kommentare von Gleichgesinnten, die ebenfalls auf Wolke 7 schwebten. Freunde wurden angerufen, die Angebote für Ebay waren schnell online gestellt und dann befand D. Agobert sich auch schon auf dem Weg zum nächsten Laden.

Nun aber erst ein mal zu grundlegenden Funktionsweise von Seiten wie mydealz. Angefangen hat alles damit, dass ein Technikfanatiker die Schnäppchen, die ihm über dem Weg liefen, online stellte und so einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stellte. Zunehmend bekam er immer mehr Angebote von Ähnlichdenkenden zugeschickt, die seine Seite als Plattform nutzen wollten. Und spätestens seitdem mit Hukd die Möglichkeit besteht, die Angebote vom Nutzer direkt online stellen und durch die anderen Nutzer kontrollieren und bewerten zu lassen, hatte er ein einzigartiges Portal geschaffen. Eine Anlaufstelle für Technikverrückte und Schnäppchenjäger, ein Paradies für Sparfüchse aller Art.

Das sich an dem System des Schnäppchen bis heute nichts geändert hat ist Fakt, das es trotzdem noch funktioniert ist traurig aber wahr. Wer ständig auf der Suche nach dem nächsten Deal ist, bei dem ist nach dem Kauf vor dem Kauf und die Konzerne freut es. In einer hochtechnologisierten Welt, in der Social Skills vernachlässigt werden und Technik Gadgets zu Must Haves gehören, erlebt das Schnäppchen seine Renaissance.

Doch als der Shop öffnete und der verdutzte Verkäufer ihn fragte, was er so früh hier mache und ihm auf seine Frage ob er den Stoff hätte nur verständnislos ansah wusste er, dass es ein Fake war. Er war bereit gewesen 10 Stück von dem heißen Scheiß zu kaufen, um ihn an seine Freunde und über Ebay zu verticken und falls mal eins kaputt geht, ist es ja gut eins als Ersatz zu haben. Doch als der arme Verkäufer auch nach 20 Minuten nicht wusste, wovon der Mann da faselte, regte D. Agobert sich immer mehr auf. Wer gab ihm nun diese verschwendete Stunde seines Lebens wieder? Wie absurd das klang, alles so gut wie umsonst haben zu wollen und sich dann zu beschweren, wenn es das doch nicht gibt, merkte er in diesem Moment nicht mehr, er brach zusammen.

Es fängt klein an, erzählt er, erst ist man wirklich auf der Suche nach etwas bestimmten und findet dies auf Mydealz, zu einem sehr guten Preis. Dann braucht man noch Zubehör und schaute deswegen immer mal vorbei, man ist auf den Geschmack gekommen. Doch dann kommt die Zeit, an dem man jeden Tag auf MyDealz hängt, um keinen Deal mehr zu verpassen, egal ob man ihn gebrauchen kann oder nicht. Das Schnäppchen ist das Ziel, die Ersparnis ist der Gewinn, man ist gemydealzt.

Zum wiederholten Male guckt er auf sein Smartphone, er ist nicht mehr auf der Suche nach dem nächsten Deal, er guckt nur bei welchem Preis die Auktion seines Smartphones steht. D. Agobert erzählt, das er jetzt zurückgezogen in einer Hütte am See lebt und es nicht mehr braucht, er hat sich ein Nokia 3210 gekauft hat, es war kein Deal.

20Jan/111

Blogschau: Schnipselfriedhof.de – Behind Kloß und Spinne

Ich habe zwar dieses Weblog und bin bei Facebook, aber eigentlich bin ich sowas von Web 1.0, das gibts gar nicht. (Volker Strübing)

Wer letztens das Video von Kloß und Spinne gesehen hat, konnte dem vielleicht etwas abgewinnen, heute geht es nun um den Mann dahinter. Auf schnipselfriedhof.de erscheinen seit 2006 von Volker Strübing u.a. die formidablen Videos von Kloß und Spinne (jetzt auch als DVD erhältlich), selbst aufgenommene Fotos sowie interessante Geschichten aus dem Alltag. Meist sehr witzig und erfrischend geschrieben macht es Spaß sich durch den Blog des Autors, Filmemacher, Fotografen, Liedermacher und Poetryslammer zu klicken, dabei stolpert man über das ein oder andere interessante Fundstück, wie z.B.:

Vielleicht wird es vorher schon einen Kloß-und-Spinne-Film im Kino geben, ich hab ihn schon ganz genau vor Augen: 137 Minuten, nur eine einzige Einstellung und natürlich in 3D. In den ersten 135 Minuten passiert praktisch nichts. Kloß trinkt sein Bier, Norbert denkt mit geschlossenen Augen über die Welt nach und die Katze atmet. Dann kommt Spinne rein und sie reden noch zwei Minuten darüber, dass Filme heutzutage ja oft viel zu hektisch geschnitten und völlig überfrachtet sind. (Volker Strübing)

Und ich muss sagen, das fände ich mal einen mutigen Film, selten wird man einen so authentisch, wahrhaftig und realistischen Film gesehen haben. Selten wird ein Film mit so wenig so viel ausgedrückt haben, natürlich abgesehen von dem überbordenden 3D und den brutalen Actionsequenzen in denen Kloß todesmutig den Kampf mit dem Bier aufnimmt. Es würde die Filmlandschaft revolutionieren, würde es doch der alltägliche Action-Close-Up-Wahnsinn verdrängen, wer braucht schon Hollywood wenn er Strübywood kriegen kann? Aber genug der Fantasterei, natürlich gibt es auch abseits von Kloß und Spinne viel zu entdecken. Zum Beispiel interessante Einsichten in die Deutsche Bahn:

Bahncard50, die: Plastikkärtchen im Scheckkartenformat, das den besitzer zum Erwerb von Fahrkarten zum regulären Preis berechtigt. Nichtbesitzer zahlen das Doppelte. Sympathisch ist die augenzwinkernde Selbstironie, mit der die Deutsche Bahn darauf beharrt, den doppelten Fahrpreis als normalen und den BC50-Tarif als „halben“ Fahrpreis zu bezeichnen. (Volker Strübing)

Auch nachdenkliches findet sich auf dem Blog, etwa eine Seblstreflektion zum schlechten Gesichtsgedächtnis, das er mit einer krassen Geschichte belegt, die einem fast unglaubhaft vorkommt:

Eines Abends, es war sehr voll und ich drängelte mich fünf Minuten vor Beginn der Show zur Bar durch, um irgendetwas mit dem Licht oder dem Ton zu klären, sprach mich eine Frau an. Sie kam mir vage bekannt vor, aber ich wusste einfach nicht, woher und wie gut ich sie kannte. Ich hatte damals gerade beschlossen, das Problem offensiv anzugehen und in solchen Fällen nachzufragen, statt es durch irgendwelches unverbindliches Rumhalloen und Undwiegehtsgeplapper zu überspielen.

Ich sage also: „Ah hi, ähm … entschuldige … woher kennen wir uns gleich nochmal?“
Die Frau schaut mich mit riesigen Augen an und sagt: „Ich bin deine Schwester!“ (Volker Strübing)

Das er mit mehr als "nur" mit Worten umgehen kann zeigen die folgenden Bilder, diese sind alle auf dem Blog zu finden:

30Dez/101

Gegen “Leistungsschutzrecht für Verleger” – Für “@Sixtus statt Böller”

Es ist eine verrückte Idee. Und wahrscheinlich wird es nicht klappen. Doch wenn wir alle verrückten Ideen direkt begraben würden, dann führen wir heute wohl noch immer mit Postkutschen durch die Gegend. Diese Idee ist kleiner. Weniger bedeutend. Aber gelänge ihre Umsetzung, wäre sie ein deutliches Signal.

So schreibt Thomas Knüwer auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache, er bezieht sich damit auf die momentan laufende Diskussion um ein Leistungsschutzrecht für Verleger und verweist auf einen auf Carta veröffentlichten offenen Brief von Mario Sixtus der einige Wellen geschlagen hat und den man sich auf jeden Fall zu Gemüte führen sollte.

Für alle die mit dem Thema Leistungsschutzrecht nichts anfangen können, denn auch an mir ist die Diskussion bis jetzt unbemerkt vorübergegangen, kurz ein paar Fakten. Ein Leistungsschutzrecht ist dem Urheberrecht sehr ähnlich und dreht sich in diesem speziellen Fall darum, dass die Bürger für die frei im Internet erhältlichen Inhalte der Presse eine Gebühr entrichten sollen, da

„sich die Presseunternehmen gegen eine unentgeltliche Ausnutzung ihrer Angebote im Internet zur Wehr setzen müssten.“ (siehe Wikipedia)

Das sie diese Angebote natürlich auch einfach gebührenpflichtig schützen könnten, steht dabei gar nicht zur Debatte. Das Prinzip ist folgendes: geht man zu einem Zeitungsladen und kauft eine Zeitung, bezahlt man diese. Im Internet läuft das Ganze momentan so, dass man die Zeitung, zwar mit Werbung vollgestopft, aber kostenfrei kriegt. Nun soll damit Schluss sein, schließlich will man ja auch Geld verdienen. Damit hätte ich an sich kein Problem, wenn sie das in einem der mehr oder weniger erprobten Bezahlsystemen machen würden, die manche Onlineangebote versuchen, aber nicht, wenn es um eine verbindliche Gebühr geht, für Angebote, die ich gar nicht nutze. So eine "Verleger-GEZ", wie Sixtus schreibt, finde ich absurd, haben doch die Verlage selbst ihre Inhalte unentgeltlich zur Verfügung gestellt und steht es ihnen doch frei sie gebührenpflichtig zu schützen, aber bitte nicht in Form einer gesetzlich verpflichtenden Gebühr.  Außerdem sollen Suchmaschinen wie Google, von denen die Onlineangebote viele Besucher kriegen, dafür bezahlen, dass sie auf die Seite verlinken,

das ist in etwa so, als würde ein Restaurantbesitzer Geld von den Taxifahrern verlangen, die ihnen Gäste bringen. (siehe Sixtus offener Brief)

2009 haben CDU und FDP das Leistungsschutzrecht für Verleger in ihren Koalitionsvertrag geschrieben und so einmal mehr ihre exorbitante Medienkompetenz bewiesen. Das so etwas Gesetz werden soll, zeigt das Unwissen der Politiker, was den technischen Fortschritt betrifft, aber was will man erwarten, wenn die Politiker die heute an der Macht sind, die im Gestern aufgewachsen sind und über das Morgen entscheiden, ohne das Heute überhaupt zu kennen. Das Ganze ist frei nach dem Motto "Es bleibet dabei, die Gedanken sind frei! - Näheres regelt ein Bundesgesetz." wie @aprica im Twitter schreibt, nach dem temporär gescheiterten Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ist das der nächste Versuch das Internet kontrollieren zu wollen, anstatt es verstehen zu wollen.

Diese Gebühr ist eigentlich nur das Eingeständnis der Verlagshäuser, das sie mit den veralteten Geschäftsmodellen im digitalen Zeitalter nicht mehr weiterkommen. Die Rettung des sogenannten Qualitätsjournalismus, der mittlerweile nur allzu oft darin besteht, aus dem Internet zu kopieren, ohne die Quellen zu nennen oder diese auf Vertrauenswürdigkeit zu prüfen,  ist sicherlich von Nöten, wird so aber wohl nicht erreicht, hier soll einfach nur doppelt abkassiert werden.

Die Öffentlich-Rechtlichen sind aufgrund ihrer Gebührenfinanzierung eure erklärten Todfeinde, andererseits wollt ihr euch in gebührenfinanzierte Verleger verwandeln? Ja habt Ihr denn überhaupt keinen Stolz?

Und nun zu "Sixtus statt Böller", seien wir mal ehrlich, wer beteiligt sich an den Diskussionen im Internet, wer hält sich über solche technopolitischen Themen wie Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, Vorratsdatenspeicherung oder eben jetzt das Leistungsschutzrecht auf dem laufenden? Es ist nur ein kleiner Teil und es sind sicher nicht die Politiker die am Ende darüber entscheiden, ob dieses Leistungsschutzrecht in Kraft tritt. Um eben diese "Offliner" zu erreichen und um ein Zeichen zu setzen sammelt Martin Ötting Geld für eine Zeitungsanzeige und Thomas Knüwer plädiert dafür Geld zu spenden anstatt Böller zu kaufen. Doch warum grade eine Zeitungsanzeige?

Nun kann ich verstehen, wenn es Menschen gibt, die jene Idee ungut finden. Schließlich finanziert man so jene, die kritisiert werden sollen. Das Argument ist stichhaltig. Aber: Ich wünsche mir ja, dass der Journalismus weiter existiert. Verlage an sich sind nicht das Böse – sie werden nur absurd schlecht gemanagt. Jene Köpfe in den Verlagen, aber auch viele Journalisten, scheren sich nicht darum, was im Internet so steht. Eine Print-Anzeige im eigenen Blatt (oder einem respektierten anderen Medium) wäre ein Aha-Effekt.

Das trifft auch auf die andere Zielgruppe zu, die ich sehe: die Politik. Für die meisten Volksvertreter sind digitale Medien nicht vertrauenswürdig – oder, noch wahrscheinlicher, nicht auf dem Radarschirm. Das ist traurig, aber wahr. Auch hier würde eine Print-Anzeige einen Überraschungseffekt auslösen. (Thomas Knüwer)

Ob denn so eine Seitenanzeige, die mit 30 000€ wirklich nicht billig ist, funktioniert, sei nun dahingestellt, allerdings finde ich es allemal besser, als nicht zu tun. Natürlich wird man so die Politik nicht revolutionieren können, aber es ist nichtsdestotrotz eine schöne Aktion. Und heißt nicht genau das Demokratie zu leben? Also wer spenden will kann dies auf betterplace.org gerne tun.

Wer mehr zu der Problematik wissen will, kann sich seit dem auf der Seite der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (IGEL) informieren und die folgenden Links lesen, vorallem der Brief von Sixtus sei nochmal empfohlen:

28Dez/100

Blogschau: Britpotts Blog

Es gibt so viel im Internet und man kennt doch so wenig, sodass man manchmal das Gefühl hat das Internet durch zu haben. Um dem vorzubeugen gibt es mal wieder eine Blogempfehlung.

Jetzt hat auch britpott einen Blog gestartet und schreibt über das was ihr so einfällt. Zum Anfang hat sie sich eine anspruchsvolle Aufgabe ausgesucht und hat ein 60 Tage Musik Mem gestartet, ich bin mal gespannt ob sie es durchhält, schließlich weiß ich wie das ist und hatte bei meinem 30 Tage Filmmem gut zu kämpfen. Auch wenn ich nicht ganz ihren Musikgeschmack teile, bin ich doch darauf gespannt jeden Tag einen neuen Song zu hören.

Ich wünsche ihr viel Spaß beim Bloggen und vielleicht ist für den ein oder anderen ja auch beim Britpottblog was dabei.

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