Schlatterblog Stuff by schlatterboy

7Mai/130

Und täglich grüßt das “When you really live in (deine Stadt hier einsetzen)”

Wer kennt sie nicht die tausende und abertausende "When you really live in (deine Stadt hier einsetzen)" Tumblr die momentan durchs Netz geistern. Mit wunderbaren Sprüchen, mit denen meist nur die Einheimischen etwas anfangen können, zu kleinen sich bewegenden Bildchen, die ja alle so (deine Stadt hier einsetzen) sind. So viel Lokalpatriotismus gibt es ja sonst nur beim Tatort, hat doch bei 21 Tatorten gefühlt jedes Hintertupfingen seine eigenen Ermittler. Wer da den Überblick verliert, kann auch hier nachlesen. Und damit man auch bei den gesammelten Werken der (deine Stadt hier einsetzen)-Poesie nichts verpasst gibt es hier eine definitiv unvollständige Liste.

Allerdings gibt es auch einige die sich dem Trend zumindest ein bisschen widersetzen. Wie Hamburg, dessen Tumblr aus nicht sehr viel mehr als dem Bild s.o. besteht. Und auch Bonn und und Cottbus haben zumindest ein paar originelle Ideen, abseits der üblichen Lobhudeleien, die einen raten einem nicht in der betreffenden Stadt zu leben, die anderen empfehlen einen Umzug.

Versteht mich nicht falsch ich finde Mems sind eine wirklich schöne Erfindung und ich finde auch jeder sollte eins haben, aber dann sollen sie auch gut gemacht sein. Sicherlich sind auf den zahlreichen (deine Stadt hier einsetzen)-Seiten auch ein paar gute Ideen dabei, doch gefühlt werden hier meist zusammenhangslose Wörter mit unpassenden Gifs zusammen zu einem dissonanten Loblied vermischt. Wie man es besser machen kann kann man u.a. hier nachsehen:

Gefunden via gefaelltmir.sueddeutsche.de

24Apr/130

Woodkid – The Golden Age

23daw3tsaafk7v5Yoann Lemoine nennt sich Woodkid, dabei ist er alles andere als auf dem Holzweg mit dem was er momentan tut und startet eigentlich gerade ganz groß durch. Sein kürzlich erschienenes und lang erwartetes Debutalbum The Golden Age findet sich unter den Top 10 Alben in Deutschland und der Schweiz wieder.

Angefangen hat der Franzose mit polnischen Wurzeln als Musikvideoregisieur, dabei drehte unter anderem die Videos Born to Die und Blue Jeans für Lana Del Rey und Mistake für Moby. Da er ein sehr visueller Typ ist, schlägt sich dies auch in seiner Musik nieder, die er selbst als orchestral und epochal beschreibt, ist diese doch äußerst monumental und suggeriert einem sofort das Gefühl das man Teil von etwas Großem ist.
Sein wirklich großartiger und bis jetzt wohl bester Song "Iron" wurde unteranderem für den Trailer von Assassin’s Creed: Revelations verwendet und zog so erste Aufmerksamkeit auf Woodkid. Manchen ist ein anderer, ebenfalls genialer, Song "Run boy Run" vielleicht auch aus den O2 Priority Sports - powered by Nike+ bekannt. Dabei eignet sich seine ungewöhnliche Musik nicht nur als Hintergrundmusik, sondern kann auch allein sehr gut bestehen, so finden sich mit u.a. "Conquest of Space" und "I Love You" noch viele weitere Perlen auf der CD. Er kombiniert Trommeln, Trompeten und Streicher mit poppigen Elementen und erschafft so seinen eigenen unverwechselbaren Sound, der sehr besonders klingt. Seiner Intention, das der Hörer sich wie ein Held fühlen soll, wenn er seine Musik hören soll, kommt er durch die ungewöhnliche Kombination von weichen und harten Soundelementen sehr nahe und scheint damit den Zeitgeist voll zu treffen.

Getragen von seiner warmen Stimme, nimmt er den Hörer mit auf die Reise eines kleinen Jungen, der versucht erwachsen zu werden und dabei die Höhen und Tiefen des Lebens kennenlernt. Auch wenn mich die monochromen Videos nicht besonders umhauen, so gefällt mir doch seine Musik um so besser, die man am besten laut aufdreht und auf sich wirken lässt.

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25Dez/120

Filmkritik: Silver Linings Playbook – wer ist hier verrückt?

Der Film Silver Linings Playbook ist eine sehr sehenswerte Liebeskomödie, wobei der Terminus Liebeskomödie einen etwas faden Beigeschmack hat, wenn man dabei an die üblichen Verdächtigen à la "Manhattan Love Story", "Mit Dir an meiner Seite" oder ähnliches denkt. Natürlich könnte man sagen, auch in diesem Film es geht um eine Frau und einen Mann, sie lernen sich kennen und lieben und am Ende wird es ganz dramatisch. Aber es geht hier nicht in erster Linie darum, wer denn am Ende mit wem zusammen kommt, viel mehr handelt der Film davon verletzt zu werden und trotzdem weiterzumachen, davon wie man sein Leben wieder auf die Reihe bekommen kann, auch wenn man tief gefallen ist.

Zwei (auf den ersten Blick) verrückte Menschen, die ihre jeweiligen Schicksalsschläge unterschiedlich verarbeitet haben nähern sich immer weiter an. Anfangs fast wie zwei Ertrinkende, die sich aneinander klammern ohne sich allerdings gegenseitig herunterzuziehen, tänzeln Pat und Tiffany (Bradley Cooper und Jennifer Lawrence) am Ende, im wahrsten Sinne des Wortes umeinander herum. Das schöne wenn man zwei nicht ganz normale Hauptcharackter hat ist, dass man die Welt durch andere Augen zeigen kann. So sieht man einen alternden wunderbar zwangsneurotischen Robert De Niro aus einer ganz anderen Perspektive. Das krampfhafte Festhalten an Gewohnheiten am Spieltag seiner Eagles würde man unter normalen Umständen als Marotten abtun, aus der Perspektive eines Verrückten sieht man die Absurdität dieser Marotten allerdings wesentlich klarer. Solche kleinen Einblicke sind es, die dem Zuschauer immer wieder vor Augen führen, wie schmal der Grat zwischen Normalität und Verrücktheit ist.

Die gute Zeichnung der Charaktere bietet Bradley Cooper und Jennifer Lawrence die Möglichkeit dem Zuschauer zu beweisen, dass sie mehr können als nur gut auszusehen und diese Chance nutzen sie wahrlich, auch wenn ihnen Robert De Niro etwas die Show stiehlt. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und trägt so zum Gelingen des Films bei, bei dem das Happy End zwar absehbar ist, der Weg dorthin, aber einige Überraschungen bereithält.

Silver Linings ist größtenteils frei von Klischees und wenn sich ein Klischee in den Film verirrt, dann nur um auf die Schippe genommen zu werden, erinnert sei hier an die Tanzdarbietung inklusive suboptimaler Dirty-Dancing-Gedächtnis-Hebefigur. Und auch generell strotzt Silver Linings nur so vor Wortwitz und Situationskomik, ohne aber lächerlich zu werden. So ergeben sich Gespräche à la: Tiffany: "Wollen wir miteinander schlafen?" Pat:" Nein, ich bin verheiratet." T:"Das bin ich auch." P:"Nein das ist verwirrend, er ist tot."

Alles in Allem kann man sagen, dass Silver Linings wahrlich ein Silberstreif am Horizont der Filmindustrie ist. Der Film beweist, dass man auch mit einer (romantischen) Liebeskomödie mit etwas Witz und charakterstarken Schauspielern alles richtig machen kann, ohne in hemmungslosen Kitsch abzugleiten.

Silver Linings Playbook

Silver Linings Playbook (2012)

Cast: Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro

Director: David O. Russell

Writer: David O. Russell, Matthew Quick

Runtime: 122 minutes

Genre: drama, romance, comedy

Trailer Silver Linings Playbook

Meine Wertung: 9/10

8Nov/124

Wir sind dann mal whack – TTZ als Retter des deutschen HipHops

Darauf hat die Welt lange und sehnsüchtig gewartet, die "Kunstrapper" Julius Fischer und André Herrmann vom Team Totale Zerstörung (TTZ) veröffentlichen nun ihr erstes Album "Wir sind dann mal whack!". Wer sich fragt, ob Poetry Slam mit Musik funktionieren kann, der darf beruhigt sein, es funktioniert. Witzige und tiefsinnige Texte mit knallharte Punchlines, nach denen sich jeder Pseudorapper die Finger leckt, unterlegt mit fetten Beats und das alles "Straight outta Leipsch".  Herz was willst du mehr? An den besten Stellen erinnern Sie an TTZ in ihren besten Zeiten, wenn es nicht ganz so gut läuft kann man sie noch mit Fanta 4 an ihren frühen Tagen vergleichen. Nur etwas mehr Mut zu  Musik hätte das Album noch besser machen können, so sind nicht alle Tracks mit Beats unterlegt, doch liefern diese beste Poetry Slam Kultur. Authentischer Rap ist rar geworden und bei TTZ kommt es wirklich auf die Texte an, also Lauscher auf und rein mit dem Album:

Das soll keine Hymne sein, dafür fallen uns 1000 Gründe ein. (Straight outta Leipsch)

Wir kommen nicht aus dem Hip Hop, wir kommen aus dem Osten. Unsere Hosen sind nicht Baggie, sondern Kik-Restposten. [...] Wir sind TTZ und uns treibt die Empörung, wir hassen Menschen und fordern die totale Zerstörung. (Egal)

Die Basis ist das Fundament jeglicher Grundlage. (Girls Girls Girls)

Sie haben als Poetry Slammer nahezu alles gewonnen was man gewinnen kann, was auch immer das heißt, u.a. die deutsche Meisterschaften im Poetry Slam 2011, die sie dieses Jahr zu verteidigen suchen, und dürften den meisten Szenekundigen bekannt sein. Aber vielleicht kommt ja jetzt der überszenige Ruhm und die Weltherrschaft gibt's dann natürlich gratis dazu. Sie haben keine Scheu vor Niveaulosigkeiten, doch haben sie die Klasse diese elegant zu verpacken und so reicht die Themenbreite vom Beckenboden der Gesellschaft über Egalitäten bis hin zu Thilo Sarazin und auch eine Leipzig Hymne ist dabei.

Hymnen hat es für Leipzig schon viele gegeben, aber noch keine war so passend wie diese, wahrscheinlich weil es keine sein will. Was das Brandenburglied von Rainald Grebe für Brandenburg, ist dies für Leipzig, natürlich nur echt mit Halle und Berlin-Diss.

Das TTZ noch ein Geheimtipp ist, sollte nicht mehr lange so bleiben, Heldenstadt.de schreibt z.B.:

Heroen-Klartext statt Kuschel-Flow, Plastik-Bläser statt Karli-Girls, Pullerblase statt Klein-Paris. Berlin-Diss inklusive. Wir sind begeistert und bereits auf das offizielle Video gespannt."

Rap.de twittert:

Albumtitel für die Ewigkeit: "Wir sind dann mal whack"

Saxroyal.de schreibt:

Doch die zwei verleugnen auch ihren inneren Abiturienten nicht und lassen sich zu subtilen Gefühlsbekenntnissen und intellektuellen Wortspielereien hinreißen, die selbst Sozialarbeiter und Kunstpädagoginnen begeistern werden.

Hier ein Auszug aus einer anderen grandiosen Rezension von diesistkeineuebung.com, auch wenn sie es mit dem zählen nicht so hat, so beschreibt sie es doch ziemlich treffend:

10 Gründe, warum Sie dieses Album hören (und zuvor käuflich erwerben!) sollten:

  • Es ist ein sehr gutes Produkt.
  • Das ist kein Poetry Slam, das ist Gangsta Rap. Und höchst krass übelst geil. Alta.
  • André Herrmann singt Musicals.
  • Wohl niemand sagt so schön “Görls”, und mit diesem grandiosen Zungenschlag “Lllladies”, niemand hat so eine miese Street-Credibility und niemand ist so gut in Mathe wie die beiden Herrn mit dem Milchbubi-Gen.
  • Das ist die Leipziger Rap-Szene. Die müssen jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren.
  • “Punker, die zu Musik tanzen, zu der andere nichtmal sterben würden.”
  • Ihre seit Jahren durch dieses Internet geisternde Hymne an die Frauen (“Girls Girls Girls”) gibt es nun endlich in optimaler Soundqualität. Hören Sie, wie man ”die Frau macht aus dem herkömmlichen Mann einen einzigartigen” und “FICK DICH DU SCHWEIN!!!” in einem Satz unterbringen kann.
  • Dann wären da noch die Dramen auf Parties, bei denen alles geht, aber niemand aufs Klo, Dramen im nicht vorhandenen Kontakt mit Frauen zwischen Pausenhof, außerdem Malte und in jeder Schicht der Maya-Pyramide 98% Arschlöcher.
  • Das sind die Männer, die im Kongo Löwenbabies rauben und Marc-Uwe Kling dissen, die Frage, was von beiden gefährlicher ist, können Sie sich selbst beantworten, ich sage nur so viel: Afrika ist weit weg, aber Marc-Uwe Kling wohnt in Deutschland.
  • Das waren alles Anspielungen. Die werden Sie verstehen, wenn Sie das Album kaufen und hören. Also: tun Sie es.
  • Und denken Sie daran: “am 21.12. wird auch Tim Bendzko nichts mehr gegen den Weltuntergang ausrichten können.”
  • BAMMM!
  • Wer sonst nennt sich Kunstrapper, baut einen Beat auf “Gogh, Gogh, Gogh, van Gogh” und reimt klassische Musik auf übertriebene Gewaltdarstellung drastisch überwiegt? Es gibt dazu auch eine Choreographie, im Kunstrap heißt das Performance, und die sollten Sie sehen. Das geht gerade noch, 7-Tage-Schonfrist sei Dank, in der ZDF-Mediathek. Hier. Steigen Sie bei Minute 33:20 ein.
  • Grund Nummer zehn:  ”Man muss ein Verlangen bis ins Unendliche steigern, bevor man der verlangten Sache habhaft werden kann.”

Im krassen Unterschied zur Authentizität von Julius Fischer und André Herrmann steht das blutleere Staraufgebot in Stefan Raabs neuestem Musikvideo, bei dem z.B. Campino als Düsseldorfer über seine Liebe zu Köln singt, das muss man nicht mehr verstehen. Da bekommt man Angst, das mit dem Ruhm und dem Erfolg auch die Belanglosigkeit kommt. Vielleicht hat man nur etwas zu sagen, wenn man nicht ganz oben in der Nahrungskette steht. Aber ungeachtet dessen wünsche ich TTZ viel Erfolg mit dem famosen Album und wünsche alles Gute bei der totalen Zerstörung gegen die auch Tim Bendzko nichts ausrichten kann.

Wer sie unterstützen will kauft am besten über diesen Link von André Herrmanns Seite.