Paintballverbot, und was ist mit Räuber und Gendarm

Der Amoklauf von Winnenden hat die Disskusionen um Killerspiele und ähnliches wieder ein mal aufleben lassen. Im Zuge dessen will nun die große Koalition das Waffenrecht "verschärfen", allerdings ist der Entwurf der bisher dabei herausgekommen ist bloß lächerlich.
Es soll ein zentrales Register für alle im Umlauf befindlichen Waffen geben, sowie die Kontrolle der ordnungsgemäßen Verwahrung dieser stattfinden. Im Gespräch ist hier, dass Waffenschränke mit einem biometrischen System, also
Fingerabdruckleser, Augenscanner oder ähnliches, gesichert wird, allerdings wird das wohl noch Jahre dauern. Und weil diese Maßnahmen längst überfällig und teilweise gar nicht durchzusetzen sind muss natürlich noch eine Schnellschussmaßnahme beschlossen werden um zu zeigen, dass man doch etwas gegen das Problem unternommen hat und weil es bei Video-Killerspielen immer so ein Geschrei gibt hat man sich diesmal wohl etwas anderes gesucht.
Paintball soll nun dafür herhalten:
"Paintball ist sittenwidrig. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, der "Berliner Zeitung".
Quelle: Ard.de
Der Grund ist angeblich, dass beim Paintball das "töten simuliert wird", laut dieser Begründung müsste man allerdings auch die vieldiskutierten Killerspiele, sowie Räuber und Gendarm aber auch Völkerball und alle anderen ähnlichen Spiele in denen man "getroffen" wird und nur eine begrenzte Anzahl an "Leben" hat verbieten. Auf diese Idee kommt, mit Ausnahme von den Killerspielen, ja auch keiner. Also bitte lieber Politiker, lieber das Problem bei der Wurzel packen und keine sinnlosen Gesetze verabschieden.
Hier gibts noch einen interessanten Artikel dazu: FR
Ach ja, die alten Diskussionen und vielleicht ist es blöd da jetzt was dazu zu schreiben, denn eure Gemüter sind schon voll gegen die Antileute aufgeheißt und trotzdem: natürlich macht ein “Killerspiel” oder ein bissl Paintball aus keinem nen potentiellen Attentäter, aber es gibt tatsächlich einige gestörte und psychisch labile Menschen, die ihre kranken Fantasien genau dort ausleben und lernen ihre letzte Hemmschwelle zu überwinden. Das wird vielleicht nur 1 unter Hunderten sein und auch nur ein Bruchteil von denen wird dann wirklich gefährlich, aber wie will man diejenigen von den “Normalen” unterscheiden, die einfach nur zum Zeitvertreib sich nen bissl Spaß gönnen und die Grenzen zwischen Realität und Spiel durchaus sehen? Das die Politik ein generelles Verbot in Betracht zieht, ist nur ein weiteres Zeichen, dass sie sich einfach nicht zu helfen weiß. Aber du hast völlig Recht, das eigentliche Problem ist ein anderes und beginnt in den Köpfen- nur darein zu kommen und wirklich was zu verändern, das wird schwer werden…
mag richtig sein, aber paintball ist meiner meinung nach am wenigsten geeignet irgendwelche kranken phantasien zu fördern. sämtliche amokläufer waren stets sozial isolierte/abgedriftete einzelgänger. paintball gibt solchen leuten keine chance da es ein team spiel ist bei dem es auf zusammenarbeit und kommunikation ankommt, ähnlich wie in Counterstrike. Nur dass da eben mehr isolation möglich ist, da das ganze meist jeder aus seinem “dunklen” keller betreibt und das teamplay sich nur virtuell vernetzt abspielt. Zum Paintballen muss man aber tatsächlich in die freie Welt da draußen und mit (realen) Menschen in kontakt treten, was den Sport für jeden dunkle Gedanken schürenden potentiellen Amokläufer gänzlich ungeeignet macht. Soziale Isolation/Perspektivenlosigkeit sehe ich persönlich als die wahren Gründe an überhaupt eine deratige Tat zu begehen, die sicherlich (aus sicht der politik) schwerer zu greifen sind als mal eben so ein populistisches Verbot loszutreten. Die Biographien der einschlägigen Amokläufer unterstreichen das sicherlich noch (Beispielsweise kein schulabschluss von robert steinhäuser in erfurt damals). Sport (in welcher Form auch immer), insbesondere Teamsport stärkt aber das Soziale Netz und schafft persönliche Perspektiven und Erfolgserlebnisse. Paintball hat es da sicherlich durch die fehlende Akzeptanz als SPORT zusammen mit der bisher noch geringen Verbreitung sehr schwer als das angesehen zu werden was es ist.
Wer meine Aussagen gern etwas leicher serviert haben möchte, kann sogar die Bild-Zeitung konsultieren (siehe Link), denn selbst die spricht sich gegen das geplante Verbot aus:
http://www.bild.de/BILD/ratgeber/ratgeber/2009/05/09/paintball/bald-verboten.html
…etwas verwundert bin ich aber gerade vor allem wegen des Vergleichs von Völkerball mit Killerspielen und selbst Räuber und Gendarm liegt ja nochmal auf einer ganz anderen Ebene…in diesen Spielen wird bei weitem keine “Realität” heraufbeschworen, die das “Eintauchen” in das Spiel erleichtert, so wie es bei Paintball oder eben den vielzitierten Killerspielen der Fall ist…ich sehe das ähnlich wie Judith, ihr alle könnt das vielleicht trennen, aber es gibt genug Leute (was teilweise bestimmt etwas mit Intelligenz, vor allem mit der sozialen zu tun hat), die das ganze ernster nehmen, bzw. den Spaß gerne auf die reale Realität beziehen würden. Das ist meiner Meinung nach auch ncoh ein Punkt, klar sprechen die Fakten für sich, wenn es um Amokläufer geht, dass dies meist sozial isolierte, gesellschaftlich “versagende” Menschen sind, aber es fängt schon bei “kleineren” Gewalttaten an, denn die finden meist in Gruppen/ also in Teamarbeit statt, sozial Benachteiligte, Jüngere, Reichere, Ausländer, die auf der Straße verfolgt, eingeengt, verprügelt werden…selbstverständlich keine Folge von Killerspielen und Paintball, aber eine eventuell unterstützende Möglichkeit stellen diese Dinge schon dar…
Stefans Polemik spricht mir aus dem Herzen! Gegen die Waffenlobby wird natürlich nichts unternommen – zumal Deutschland Waffen-Export-Europameister ist, aber Hauptsache die Bevölkerung wird mit Aktionismus erstmal ruhig gestellt. Spinnt man das Szenario weiter müsste Völkerball u.ä. natürlich ebenso verboten werden. Was bleibt am Ende übrig und ist nicht per Gesetz veboten: der private Waffenbesitz!
PS. Es gibt Stimmen, die behaupten der Gebrauch von Killerspielen fördert eben nicht die Tendez zum Amoklauf, sondern – im Gegenteil – hat bestimmt bereits einige Amokläufe verhindert, da mensch sich dann virtuell abreagiert und nicht “real”.