HowTo Multiboot USB-Stick – fast jede ISO booten

Egal ob Net-, Mac- oder Ultrabook, immer öfter wird auf ein optisches Laufwerk verzichtet. Sicher, ein externen DVD Laufwerk kostet nicht die Welt, hat aber trotzdem nicht jeder zu Hause, doch nahezu jeder Haushalt verfügt über mindestens einen USB-Stick. So bleibt nur noch die Frage, wie installiere ich Windows 7 oder wie rette ich meine Daten mit Hilfe des USB-Sticks. Sicher, es gibt zahlreiche Howtos und Tools zum Thema bootbare USB-Stick erstellen, doch finde ich die Fülle von Informationen eher erdrückend als informativ und ich will versuchen einen kurzen Überblick zu geben. Mein Anliegen war es, einen USB-Stick dazu zu bringen, so gut wie jede bootbare ISO zu booten, um mal schnell eine Live-Linuxdistribution zu starten um Daten zu retten, Windows 7 zu installieren und zu reparieren oder per Acronis ein Image zu erstellen bzw. zurückzuspielen.

Gab es früher fast nur Tools die lediglich ein Image auf den Stick brachten, gibt es mittlerweile verschiedenste Tools wie z.B. Sardu, Yumi oder Xboot, die auch mehre ISOs parallel auf den USB-Stick bringen können. Jedes dieser kleinen Programme, die teilweise nicht mal installiert werden müssen, hat seine eigenen Vorzüge, manche laden die Live-Distributionen direkt herunter, andere bringen Qemu  mit, um den erstellten USB-Stick direkt im Windows zu testen, ohne den Rechner neu starten zu müssen. Lediglich um die Windows Installationen zum Laufen zu kriegen muss man bei allen Programmen etwas tricksen.

Voraussetzungen

Wir brauchen einen computerähnliches Gerät mit Windows (ein USB-Port sollte vorhanden sein), einen USB-Stick (alles ab 4-GB sollte reichen, allerdings gilt, je größer desto besser), ein bisschen Zeit (hängt u.a. von der Internetverbindung ab) und ein bisschen Bereitschaft sich mit der Sache auseinanderzusetzen.

Zu allererst sei gesagt, das alle Tools den Stick formatieren werden, also sollte man sich die Daten von seinem USB-Stick, sofern man diese behalten will, vorher sichern. Fast alle Tool partitionieren den Stick als Fat32 um darauf ein Syslinux installieren zu können, was bei der heutigen Größe der Sticks aber hinderlich ist, da bei Fat32 eine Datei nicht größer als 4 GB sein darf. Dies stört vor allem, wenn man den Stick noch als normalen Datenstick gebrauchen will und man mal einen Film von A nach B tragen will, mitunter kriegt man auch nicht jede ISO auf den Stick. NTFS hat diese Beschränkung nicht, wird aber nicht von allen Tools unterstützt.

Programme:

Yumi kann leider nur FAT32 und hat dementsprechend mit den Dateisystembegrenzungen zu kämpfen, dafür biete es die Möglichkeit die Images direkt aus dem Internet zu laden, dies muss man aber nicht, wenn man diese schon lokal hat. Allerdings muss man umständlich die einzelnen Images nach und nach hinzufügen, vor allem bei mehreren Images dauert dies lang. Yumi war eins der ersten Multiboot Tools, hat den Anschluss an die anderen, die vor allem in Funktionalität und Usability Yumi viel voraus haben, aber verpasst.

 

 

Sardu ist ein sehr komfortables Programm, es bietet eine ansprechende Benutzeroberfläche, in dem man viele Einstellmöglichkeiten hat. Unteranderem kann man die Images direkt aus dem Internet laden, dieser Schritt entfällt, wenn  man diese schon lokal hat, kann man einfach den Ordner angeben und Sardu erkennt die ISOs automatisch. Man kann auch leicht eigene ISOs hinzufügen, wenn diese nicht von vornherein von Sardu unterstützt werden sollten. Sardu kann leider auch nur mit Fat32 umgehen und erkennt den USB-Stick sonst nicht, ist aber ansonsten für die meisten ein gutes Programm mit großer Programmvielfalt. Aber Vorsicht bei der Installation, es wird versucht diverse Tools mitzuinstallieren.

 

 

Xboot ist aber mein Geheimtip, weil es NTFS unterstützt, es auf unnötigen Schnickschnack verzichtet, man einfach die ISOs per Drag&Drop reinzieht und es unkompliziert funktioniert. Außerdem bringt Xboot einen integrierten QEMU mit, um den erstellten Stick gleich im Windows zu testen. Das nachträgliche Hinzufügen von Images ist kein Problem, einfach das betreffende Image per Xboot auswählen, das Programm integriert dieses dann selbstständig in den bestehenden Multibootstick, ohne diesen neu zu formatieren. Und auch wenn man sich seinen Bootloader zerschossen haben sollte, kann das Tool helfen. Das Tool befindet sich zwar schon seit Jahren im Betastatus, verrichtet seine Arbeit aber ganz hervorragend, für alle, die die ISOs schon lokal haben und von vornherein wissen was sie wollen, die beste Wahl.

Ein wichtiges Tool zum Testen des erstellten USB-Stick ist MobaLiveCd, dieses kleine Programm testet per QEMU Virtualisierung den erstellten USB-Stick, sowie auf Wunsch einzelne ISOs, direkt aus dem Windows ohne Rechnerneustart, dies ist sehr nützlich für Xbootnutzer aber nicht notwendig, da Xboot diese Funktion schon integriert hat.

Windows-Installationen:

Das grundlegende Problem mit Windows vom Stick ist, das Windows, im Gegensatz zu den Linuxdistributionen nicht dafür gemacht ist, als Live-System von einem USB-Stick zu laufen und dementsprechend fällt der Umgang mit Windows 7 vom USB-Stick etwas schwieriger. Hier verweise ich auf ein gutes Tutorial an dem ich mich orientiert habe und beschreibe es hier nur in Kurzform.

    1. auf der Downloadseite das „WINISO_IMDISK_32a.ZIP“ runterladen
    2. Datei entpacken
    3. die Menu.lst in windows.lst umbenennen und alle Dateien direkt auf den USB-Stick kopieren
    4. windows.lst nach boot\grub4dos\ verschieben und anschließend bearbeiten
    5. an den Anfang der windows.lst folgendes einfügen, damit wir auch wieder ins Hauptmenü kommen

### MENU START
title MAIN MENU
configfile /menu.lst
### MENU END

  1. den Pfad der ISO anpassen, in diesem Beispiel heißt die iso win7.iso

write ()/ImDIsk/myiso.cmd SET MYISO=\\images\\win7.iso\r\n
map /images/win7.iso (0xff)

Jetzt sollte man sein Windows 7 Image vom Stick booten können und kann so, Windows 7 installieren oder reparieren. Wer keinen Multiboot USB-Stick braucht und lediglich Windows 7 installieren will, der kann dies unter anderem auf diese Weise tun oder etwas einfacher über das Windows 7 USB DVD/Download Tool, wie das geht wird hier beschrieben, dabei werden aber nicht alle Windows 7 Images unterstützt.

Weitere Anpassungen:

Wenn alles soweit funktioniert und man Grub4Dos als Bootloader ausgewählt hat, sieht dieser standardmäßig nicht sehr schick aus. Man kann aber einfach die menu.lst bearbeiten um das Aussehen an seine Bedürfnisse anzupassen, wie man das genau macht kann man z.B. hier nachlesen. Wesentlich komfortabler als händisch alles anzupassen, geht dies aber mit dem Tool Gfxboot, eine gute Anleitung dazu gibt es hier. Allerdings ist dies lediglich ein Aufsatz für das Grub4dos Menü, wenn man ein neues Image hinzufügen will oder etwas anpassen muss, muss man dies nach wie vor in den betreffenden .lst tun. Hier nur die Kurzfassung:

      1. Datei gfxboot.zip herunterladen
      2. entpacken und auf den USB-Stick verschieben
      3. repack.cmd ausführen
      4. in alle .lst (menu, utility, windows) an den Anfang als erste Zeile folgendes einfügen:

gfxmenu /message

Nun sollte man ein wesentlich schöneres Menü als vorher haben, sollte man daran noch Änderung vornehmen wollen, müssen diese unter files/gfxboot.cfg vorgenommen werden. Das Hintergrundbild kann ganz leicht durch ein x-beliebiges Bild ausgetauscht werden, allerdings ist das Standard-Bild auf 800×600 ausgerichtet. Um das Bild zu tauschen, einfach auf dem USB-Stick unter files, das back.jpg durch ein eigenes Bild austauschen. Nach jeder Änderung egal ob man das Hintergrundbild tauscht oder etwas an der gfxboot.cfg ändert, muss repack.cmd erneut ausgeführt werden, damit die message Datei neu erstellt wird.

Probleme:

Ein, vor allem bei größeren Images auftretender Fehler ist, das die Images nicht booten, obwohl alles richtig konfiguriert ist. Dies passiert vor allem dann, wenn man etwas mit dem Bootstick rumgespielt hat und mal das eine oder andere Image ausprobiert hat. Das Image kann dann nicht in einem zusammenhängenden Areal gespeichert werden, ist also fragmentiert. Dies macht sich durch folgende Fehlermeldung bemerkbar:

Error 60: File for drive emulation must be in one contignous disk area.

Hier muss man lediglich den USB-Stick mit einem Tool wie z.B. Disk Defrag defragmentieren, damit das Image in einem zusammenhängenden Festplattenteil gespeichert wird, falls das nicht hilft, das Image löschen, den Stick defragmentieren und erneut drauf kopieren.

Konfiguration:

Die Ordner Struktur meines USB-Sticks sieht wie folgt aus:

Und zum Abschluss die Dateien, mit denen es bei mir funktioniert hat, ich hoffe ich konnte euch damit etwas helfen:

menu.lst

gfxmenu /message
color blue/white white/blue black/white black/white

### MENU Start
title Boot from hard drive
map (hd0) (hd1)
map (hd1) (hd0)
map –hook
chainloader (hd0)+1
rootnoverify (hd0)
### MENU END

### MENU START
title 1 Linux
configfile /boot/grub4dos/linux.lst
### MENU END

### MENU START
title 2 Utility
configfile /boot/grub4dos/utility.lst
### MENU END

### MENU START
title 3 Windows
configfile /boot/grub4dos/windows.lst
### MENU END

linux.lst

gfxmenu /message
color blue/white white/blue black/white black/white

### MENU END
title MAIN MENU
configfile /menu.lst
### MENU END

### MENU START
title 1 Ubuntu\nUBUNTU-11.10-DESKTOP-I386.ISO  (695 MB)\n
ls /images/ubuntudesktopi386.iso || find –set-root /images/ubuntudesktopi386.iso
map –heads=0 –sectors-per-track=0 /images/ubuntudesktopi386.iso (0xff) || map –heads=0 –sectors-per-track=0 –mem /images/ubuntudesktopi386.iso (0xff)
map –hook
chainloader (0xff)
### MENU END

### MENU START
title 2 Parted Magic\nPMAGIC_2011_12_30.ISO  (181 MB)\n
ls /images/pmagic.iso || find –set-root /images/pmagic.iso
map –heads=0 –sectors-per-track=0 /images/pmagic.iso (0xff) || map –heads=0 –sectors-per-track=0 –mem /images/pmagic.iso (0xff)
map –hook
chainloader (0xff)
### MENU END

### MENU START
title 3 Systemrescue CD\nSYSTEMRESCUECD-X86-2.4.1.ISO  (352 MB)\nSystemRescueCd is a Linux system rescue disk for administrating or repairing your system and data after a crash. It comes with a lot of linux software such as system tools (parted, partimage, fstools, …) and basic tools (editors, midnight commander, network tools).It can be used on linux servers, linux desktops or windows boxes. The kernel supports the important file systems (ext2/ext3/ext4, reiserfs, reiser4, btrfs, xfs, jfs, vfat, ntfs, iso9660), as well as network filesystems (samba and nfs).
ls /images/systemrescuecdx86.iso || find –set-root /images/systemrescuecdx86.iso
map –heads=0 –sectors-per-track=0 /images/systemrescuecdx86.iso (0xff) || map –heads=0 –sectors-per-track=0 –mem /images/systemrescuecdx86.iso (0xff)
map –hook
chainloader (0xff)
### MENU END

### MENU START
title 4 Mint KDE\n
ls /images/linuxmintkdedvdbit.iso || find –set-root /images/linuxmintkdedvdbit.iso
map –heads=0 –sectors-per-track=0 /images/linuxmintkdedvdbit.iso (0xff) || map –heads=0 –sectors-per-track=0 –mem /images/linuxmintkdedvdbit.iso (0xff)
map –hook
chainloader (0xff)
### MENU END

utility.lst

gfxmenu /message
color blue/white white/blue black/white black/white

### MENU END
title MAIN MENU
configfile /menu.lst
### MENU END

### MENU START
title 1 Ultimate Boot CD 4 DOS\nUBCD511.ISO  (359 MB)\n
ls /images/ubcd.iso || find –set-root /images/ubcd.iso
map –heads=0 –sectors-per-track=0 /images/ubcd.iso (0xff) || map –heads=0 –sectors-per-track=0 –mem /images/ubcd.iso (0xff)
map –hook
chainloader (0xff)
### MENU END

### MENU START
title 2 Offline NT Password & Registry Editor\n
ls /images/ntpasswdreset.iso || find –set-root /images/ntpasswdreset.iso
map –heads=0 –sectors-per-track=0 /images/ntpasswdreset.iso (0xff) || map –heads=0 –sectors-per-track=0 –mem /images/ntpasswdreset.iso (0xff)
map –hook
chainloader (0xff)
### MENU END

### MENU START
title 3 acronis\nACRONIS.ISO  (77,8 MB)\n
ls /images/acronis.iso || find –set-root /images/acronis.iso
map –heads=0 –sectors-per-track=0 /images/acronis.iso (0xff) || map –heads=0 –sectors-per-track=0 –mem /images/acronis.iso (0xff)
map –hook
chainloader (0xff)
### MENU END

windows.lst

gfxmenu /message
color blue/white white/blue black/white black/white

### MENU END
title MAIN MENU
configfile /menu.lst
### MENU END

### MENU START
title 1 Install any Windows 7 Edition\nRun the Windows install DVD to install a copy of Windows to your hard disk
find –set-root /ImDisk/myiso.cmd
dd if=()/ImDisk/au.xml of=()/AutoUnattend.xml
dd if=()/ImDisk/cr.txt of=()/ImDisk/myiso.cmd
write ()/ImDIsk/myiso.cmd SET MYISO=\\images\\win7aio.iso\r\n
map /images/win7aio.iso (0xff)
map (hd0) (hd1)
map (hd1) (hd0)
map –hook
chainloader (0xff)
### MENU END

### MENU Start
title 2 Repair any Windows Edition\nRepair Windows on your hard disk
find –set-root /ImDisk/myiso.cmd
dd if=()/ImDisk/spaces.txt of=()/AutoUnattend.xml
map /images/win7aio.iso (0xff)
map (hd0) (hd1)
map (hd1) (hd0)
map –hook
chainloader (0xff)
### MENU END

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22 Comments

  1. Antworten
    Jürgen 25. März 2014

    @schlatterboy
    super Anleitung, vielen Dank für Deine Mühe.
    Wo hast Du die win7aio.iso eigentlich her?
    Danke Jürgen

  2. Antworten
    mglfreak 6. Juli 2014

    Erstmal danke für die tolle Anleitung!

    Ich habe aber ein Problem welches ich nicht in den Griff bekomme.
    Ich habe (definitiv) deutsche Isos der Windows 7 32/64Bit und der Windows 8 32/64Bit Versionen. Sobal ich diese aber mit Imdisk vom Stick aus boote habe ich im Installationsscreen als Sprache leider nur Englisch zur Auswahl und kein Deutsch.

    Das muss doch zu ändern sein?!
    Für einen entscheidenen Tip wäre ich sehr dankbar!

    mglfreak

    • Antworten
      schlatterboy 26. Juli 2014

      Hallo mglfreak,
      ich hoffe du konntest mittlerweile das Problem lösen.
      Erst einmal, vielen Dank für das Lob, aber leider konnte ich das Problem nicht nachstellen. Ich kann nur empfehlen andere Isos auszuprobieren oder die Sprache nachträglich umzustellen.
      Abgesehen davon kannst du sonst auch noch easy2boot probieren, was auch eine Unterstützung für Windows-Isos mitbringt.
      Mit freundlichen Grüßen
      Schlatterboy

  3. Antworten
    Thomas 10. August 2015

    Hallo,

    bin am verzweifeln….
    Wie kann ich einen Mulitboot Stick erstellen mit Win7 und Win10 ABER jede Installation hat seine eigene Autounattend.xml für eine unbeaufsichtigte Installation. Außerdem hat jede Installation einen eigenen $OEM$ Ordner.
    Da während der Installation auch gleich Programme mit installiert werden sollen…

    Gruß
    Thomas

    • Antworten
      schlatterboy 10. August 2015

      Hallo Thomas,
      Hast du schon versucht einen Windows 7 und einen Windows 10 Ordner zu erstellen und dann dort die betreffenden Dateien und Ordner anzulegen? Du müsstest dann den Menüeintrag anpassen, sodass dort nicht mehr dies

      dd if=()/ImDisk/au.xml of=()/AutoUnattend.xml

      Sondern folgendes steht

      dd if=()/ImDisk/au.xml of=()/Win7/AutoUnattend.xml

      Alternativ kannst du auch versuchen die AutoUnattend.xml umzubenennen und die Pfade anzupassen.
      Ich hoffe das hilft dir. Wenn nicht frag einfach.
      Mit freundlichen Grüßen
      Schlatterboy

  4. Antworten
    Alferl 12. November 2015

    gfxboot.zip der Link stimmt nicht mehr oder funktioniert nicht.

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