Digitaler Tempowechsel
Früher habe ich einfach drauf los geschrieben, habe Videos der Woche, Bilder oder Gutscheine gepostet, doch das will ich momentan nicht tun. Denn ich stelle mir immer öfter die Frage, ob es sich wirklich lohnt über eine Sache zu schreiben und ob das wirklich jemanden interessiert. Ich finde, dass sich diese Frage heutzutage viel zu wenig Leute stellen. Abgesehen vom täglichen Spam, an den man sich schon gewöhnt hat, bleibt man in Zeiten des digitalen Überinformationszeitalters von nervigen Statusmeldungen seiner "digitalen" Freunde auf Facebook, Studivz, [dein soziales Netzwerk hier] oder Twitter nicht verschont. Das das meiste von dem, was da in das weltweite Netz (auch www genannt) hinaus geschickt wird, eigentlich gar keinen interessiert, ist dabei Nebensache. Musste man früher noch einen Leserbrief an eine Zeitung schreiben um Gehör zu finden, ist die Hemmschwelle um seine Meinung kundzutun heutzutage faktisch nicht existent. Hinz und Kunz haben ihren eigenen Blog und haben in Sekundenschnelle ihre Meinung zum Thema X/Y veröffentlicht und jeder der will kann twittern, das er sich grade auf dem Klo befindet. Machten sich früher Eltern darüber Gedanken, was ihre Kinder donwloadeten haben sie heute eher Angst vor dem, was sie uploaden, denn noch nie war es so einfach sinnlosen Scheiß mit der Welt zu teilen.
Ich spreche dem sozialen Netz nicht seinen Nutzen oder gar seine Daseinsberechtigung ab, macht es doch einfach Spaß sich mit Freunden über die vergangene Party auszutauschen, Sachen zu liken und miteinander im Kontakt zu bleiben, allein das exzessive unreflektierte Nutzungsverhalten gibt mir zu denken. Natürlich ist niemand gezwungen an dieser digitalen scheinheilo Welt teilzunehmen und hat jederzeit die Möglichkeit sich auszuklinken aus diesem digitalen Stress, doch fällt es in der zunehmenden Digitalisierung der Welt immer schwerer. Jeder hat seine Art um mit diesem Überangebot an Informationen umzugehen, eine radikale gibt es hier nachzulesen, wobei ich nicht finde, dass die Smartphones die Wurzel des Übels sind. Sicher geht es mit einem modernen mobilen Endgerät bedeutend schneller an der digitalen Müllhalde mitzuarbeiten, doch bedient noch immer der Benutzer das Handy und nicht andersherum.
Jedenfalls bleibt festzuhalten, das jeder sein digitales Tempo finden muss und selber für sich entscheiden muss, mit wem er was zu welchem Zeitpunkt teilen will.
Da klingt also die Smartphone- Diskussion wieder an, ja!?
“Digitale Müllhalde” find ich ganz gut getroffen, dass spiegelt den Wandel von Informationfinden ins Informationssuchen.
Jajaja, ich versteh, was du meinst. Den “krassen” Weg muss man nicht gleich gehen, aber man kann auch im relativ digitalisierten Rahmen den Bezug zum “First Life” behalten. Ich bin zweifelsohne recht Internetabhängig und spüre eine Art Verbundenheit zu fb, allerdings gebe ich dort nicht mein ganzes Leben zum Besten, hatte nie Twitter & Co., habe sowieso kein Smartphone und will auch wirklich keins haben. Ich schreibe ab und zu mal einen Brief und telefoniere mit den lieben Menschen in meinem Leben. Und wenn ich von der überdetailierten Informationsflut meiner “Virtuellen Freunde” (gerne werden auch wirklich ungewollte Personen abgelehnt!) tatsächlich genervt bin, verlasse ich kurzfristig fb oder, auf lange Gesicht gesehen, sperre ich deren Inhalte. Geht doch auch, oder?!
Mich stört ein ganz anderes Phänomen unserer digitalisierten Welt: digitales Mobbing! “Wie, du hast gar kein Smartphone!? Wie soll ich dir denn da, wenn du du ganzen Tag unterwegs bist alle mails schicken? Da kannst du die ja gar nicht SOFORT beantworten! Ach, und dann willst du nicht mal beim Autofahren telefonieren? Ich muss dich doch erreichen!” & “Ach nee, ein normaler Laptop? Ohjee. Mhm, was machen wir denn da? Da bist du ja hier mit niemanden kompatibel? Also, hier haben wirklich alle einen Mac! Das ist einfach Grundausstattung….”, “Wie laut ist denn dein PC? Und wieso kann er das und das nicht? Der ist ja so unpraktisch…”
Nunja…was den Apfellaptop betrifft haben sie mich ja nun schon gekriegt,,,,
Es kommt natürlich drauf an in was für einem Umfeld man sich bewegt. Wenn man aus beruflichen Gründen wirklich ständig erreichbar sein muss, ist ein Smartphone schon nützlich, das man da in eine soziale Konfliktsituation kommt, wenn man partout keins will, ist dann fast unvermeidbar und jeder muss halt für sich abwägen…