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30Mrz/114

Mydealz – Ein Insider packt aus

MyDealzEr sieht eigentlich ganz normal aus, vielleicht ein bisschen blass, aber sonst nicht anders als handelsübliche Anfangzwanziger. Er kommt aus dem gesicherten Mittelstand, hat Abitur und studiert oder arbeitet in der IT-Branche. Doch aus Angst vor Verfolgung möchte er nur sinngemäß wiedergegeben werden und alle Hinweise auf seine wahre Identität wurden entfernt, Namen, Orte und Daten geändert. Nennen wir ihn also Daniel A., im Folgenden nur noch D. Agobert genannt. Gnadenlos ist sie, diese Internetwelt, die nichts vergibt und erst rechts nichts vergisst. Grausam ist sie, die Community, die jede gut gemeinte Diskussion in einem endlosen Trollkrieg zwischen unversöhnlichen Gegensätzen enden lässt.

Früher hat er sich über die Schnäppchenjäger lustig gemacht, er verstand nicht wie man Angebote von Supermärkten vergleichen konnte um 10 Cent bei Milch zu sparen. Er machte sich lustig über Leute die vor Aldi kampierten um den Deutschland PC als erster zu haben oder Media Markt bei der Eröffnung stürmten (Video). Letzte Woche noch hatte er sich über die Apple-Jünger echauffiert die wegen dem "iPad 2" stundenlang Schlange standen und wie hier beim iPad 1 den Laden belagerten (Video). Doch auf einmal stand D. Agobert selber vor einem Laden und wartete.

Es gab keine monatelang angekündigte sagenumwobene Keynote, die den revolutionären Verkaufsstart eines neuen iMessias versprachen, aber er stand hier. Wer konnte auch wissen, das Vodafone seine Läden erst 10:00 öffnet? Er hatte wie jeden Morgen noch im Bett liegend die Seite seines Vertrauens auf die neuesten Dealz gecheckt und konnte sein Glück kaum fassen. Schon nach den ersten 10 Minuten gab es 100 Kommentare von Gleichgesinnten, die ebenfalls auf Wolke 7 schwebten. Freunde wurden angerufen, die Angebote für Ebay waren schnell online gestellt und dann befand D. Agobert sich auch schon auf dem Weg zum nächsten Laden.

Nun aber erst ein mal zu grundlegenden Funktionsweise von Seiten wie mydealz. Angefangen hat alles damit, dass ein Technikfanatiker die Schnäppchen, die ihm über dem Weg liefen, online stellte und so einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stellte. Zunehmend bekam er immer mehr Angebote von Ähnlichdenkenden zugeschickt, die seine Seite als Plattform nutzen wollten. Und spätestens seitdem mit Hukd die Möglichkeit besteht, die Angebote vom Nutzer direkt online stellen und durch die anderen Nutzer kontrollieren und bewerten zu lassen, hatte er ein einzigartiges Portal geschaffen. Eine Anlaufstelle für Technikverrückte und Schnäppchenjäger, ein Paradies für Sparfüchse aller Art.

Das sich an dem System des Schnäppchen bis heute nichts geändert hat ist Fakt, das es trotzdem noch funktioniert ist traurig aber wahr. Wer ständig auf der Suche nach dem nächsten Deal ist, bei dem ist nach dem Kauf vor dem Kauf und die Konzerne freut es. In einer hochtechnologisierten Welt, in der Social Skills vernachlässigt werden und Technik Gadgets zu Must Haves gehören, erlebt das Schnäppchen seine Renaissance.

Doch als der Shop öffnete und der verdutzte Verkäufer ihn fragte, was er so früh hier mache und ihm auf seine Frage ob er den Stoff hätte nur verständnislos ansah wusste er, dass es ein Fake war. Er war bereit gewesen 10 Stück von dem heißen Scheiß zu kaufen, um ihn an seine Freunde und über Ebay zu verticken und falls mal eins kaputt geht, ist es ja gut eins als Ersatz zu haben. Doch als der arme Verkäufer auch nach 20 Minuten nicht wusste, wovon der Mann da faselte, regte D. Agobert sich immer mehr auf. Wer gab ihm nun diese verschwendete Stunde seines Lebens wieder? Wie absurd das klang, alles so gut wie umsonst haben zu wollen und sich dann zu beschweren, wenn es das doch nicht gibt, merkte er in diesem Moment nicht mehr, er brach zusammen.

Es fängt klein an, erzählt er, erst ist man wirklich auf der Suche nach etwas bestimmten und findet dies auf Mydealz, zu einem sehr guten Preis. Dann braucht man noch Zubehör und schaute deswegen immer mal vorbei, man ist auf den Geschmack gekommen. Doch dann kommt die Zeit, an dem man jeden Tag auf MyDealz hängt, um keinen Deal mehr zu verpassen, egal ob man ihn gebrauchen kann oder nicht. Das Schnäppchen ist das Ziel, die Ersparnis ist der Gewinn, man ist gemydealzt.

Zum wiederholten Male guckt er auf sein Smartphone, er ist nicht mehr auf der Suche nach dem nächsten Deal, er guckt nur bei welchem Preis die Auktion seines Smartphones steht. D. Agobert erzählt, das er jetzt zurückgezogen in einer Hütte am See lebt und es nicht mehr braucht, er hat sich ein Nokia 3210 gekauft hat, es war kein Deal.

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