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25Dez/107

Der freie Wille contra Naturwissenschaft

Grade zur Winter- und Weihnachtszeit wird man ja gemeinhin etwas nachdenklicher und besinnlicher und so widme ich mich, angeregt durch diesen guten Artikel, mal einem Thema, welches mir schon Stoff für zahlreiche Diskussionen geliefert hat. Seit der Geburt der Philosophie, in der Antike, ist der freie Wille Stein des Anstoßes, immer wieder wurde darüber diskutiert, was das denn sei und ob es ihn überhaupt gibt. Und genau das ist das Problem, man kann den freien Willen schwer bis gar nicht definieren, jeder versteht etwas anderes darunter und so ist es fraglich, ob das ganze jemals zu einem Ergebnis führen wird, sind die Grenzen zwischen Willen- und Handlungsfreiheit doch genauso fließend wie die zwischen der Determiniertheit durch Gene und Sozialisierung und Individualität.

Die Frage ist doch, ob der Mensch überhaupt freie Entscheidungen treffen kann, die nicht durch irgendetwas von Außen determiniert sind.

Wenn ein Mensch an eine Wegkreuzung kommt und der Weg sich nach links und rechts teilt, dann muss er eine Entscheidung treffen. Angenommen die beiden Wege sind wirklich identisch, bis auf die Richtung, wie entscheidet man wo man lang geht? Auf Erfahrung durch Sozialisierung und Erziehung kann man ebenso wenig  zurückgreifen wie auf meinetwegen Google Maps. Also wäre es, egal welche Entscheidung man trifft, eine freie. Natürlich kann man so nicht die Existenz des freien Willens beweisen, genauso wie man sie auch nicht nicht beweisen kann. Doch kann man diese unbedingte Willensfreiheit wohl nicht erreichen. Man könnte das Beispiel aber weiter treiben, angenommen man steht an dieser Kreuzung und die Eltern hätten einem eingetrichtert im Zweifelsfall immer nach rechts zu gehen, dann hätte man doch die Wahl, auf Grund des freien Willen, einfach nach links zu gehen, wobei hier die Kritik ansetzten würde, das diese Entscheidung keine freie mehr wäre, sondern eine (un)bewusste Trotzreaktion. Aber genau das ist für mich freier Wille, nicht das nicht existieren von äußeren Einflüssen, dafür ist der Mensch zu sehr Gesellschaftstier, sondern das Reflektieren und das bewusste Auseinandersetzen mit diesen, es ist also nur eine bedingte Willensfreiheit.

Aber was bleibt denn, wenn man den Menschen auf das Grundlegendste reduziert, wenn man alle Äußerlichkeiten außen vor lässt? Der freie Wille. Er ist die letzte Bastion die uns davon abhält vollkommen durchzudrehen. Nachdem die Aufklärung dem Menschen die Religion nahm, versucht die Naturwissenschaft das gleiche mit dem freien Willen. Die Hohepriester der Aufklärung 2.0 erklären ihn immer wieder für tot und bezeichnen ihn als ein soziales Phänomen das es so nicht gibt, alles sei durch die Gene determiniert, man ist was man ist von Geburt an und wird auch nie etwas anderes sein. Ob diese These nun stimmt oder nicht, ist zu diesem Zeitpunkt erstmal egal, doch greift es den uralten Konflikt zwischen Wissen und Glauben wieder auf. Ich spreche nicht vom Glauben im kirchlich oktroyierten, sondern von glauben im ursprünglichen Sinne, also von einer Sache überzeugt zu sein, ohne Beweise zu haben. Denn auch das vermeintliche naturwissenschaftliche Wissen ist nicht der Wahrheit letzter Schluss, war doch die Erde einst eine Scheibe, natürlich hat sich seit Galileo viel getan, doch stieg mit dem Wissen auch gleichzeitig die Arroganz der Wissensträger nahezu exponentiell. Und so bleibt es am Ende eine Frage des Glaubens.

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