Tag 18 – Ein Film den mehr Leute sehen sollten
Jeder hat seine Lieblingsfilme und glaubt, das die Anderen gar nicht leben können, ohne diese gesehen zu haben, aber was muss man schon gesehen haben? Und woher will man denn wissen, wie viele Leute einen Film gesehen haben, Besucherzahlen im Kino oder DVD-Verkaufszahlen sind heut zu Tage ja nicht mehr wirklich repräsentativ? Natürlich gibt es Klassiker wie "Der Pate", "Der große Diktator", "Butch Cassidy und Sundance Kid", "Das Fenster zum Hof", "Einer flog über das Kuckucksnest", "High Noon", "Casablanca", "Spiel mir das Lied vom Tod" etc. die man gesehen haben sollte, aber ich glaube diese Filme haben genug Leute gesehen und wer das bis jetzt nicht getan hat, sollte das schleunigst nachholen.
Doch heute soll es um etwas unbekanntere Filme gehen die man sich gerne mal ansehen kann, sollte man sie in die Finger kriegen. Da wäre z.B der wirklich Wunderbare Film "Das letzte Stück Himmel" mit Norah Tschirner über einen Photographen der seinem selbstmordgefährdeten Bruder die schönen Seiten des Lebens und der Liebe zeigt oder der total unterschätze Nachfolger von "Knocking on Heavens Door" "Der Eisbär" (Trailer), der zwar etwas zu sehr versucht "Pulp Fiction" zu sein und gleichzeitig versucht alles zu parodieren, der aber mit vielen Deutschen Stars der 90-er äußerst amüsant anzusehen ist. Außerdem gibt es da noch "Halt mich fest" mit Jan Josef Liefers, in dem es um eine ehemalige Band geht, die sich nach dem Tod eines Mitgliedes wiedervereint und aus ihren normalen Leben ausbricht oder auch "Fremder Freund" (Trailer) der sich als einer der ersten Filme mit dem 11. September auseinandersetzt und anhand einer Freundschaft zeigt, wie sie das Leben verändert hat, mit Hilfe von Rück- und Vorblenden wird die Freundschaft der Protagonisten erzählt und der krassen Ungewissheit, ob das Verschwinden Yunes etwas mit dem Anschlag zu tun hat, gegenübergestellt.
Leider habe ich keinen dieser Filme in letzter Zeit gesehen, entscheide mich aber für den wirklich beeindruckenden:
Letzte Stück Himmel, Das (2007)
Cast: David Rott, Maximilian von Pufendorf, Nora Tschirner
Director: Jo Baier
Writer: Jo Baier, Michael Watzke
Runtime: 87 minutes
Genre: drama
Meine Wertung: 9/10
Das letzte Stück Himmel ist ein wirklich berührender Film, der sich dem schwierigen Thema Selbstmord auf einer bemerkenswert lebensbejahenden Art nähert. Der Film handelt von zwei grundverschiednen Brüdern, die jeder auf ihre Art den Tod der Mutter verarbeitet haben, während Anno (David Rott) ein Frauenheld ist, fühlt sich Julian (Maximilian von Pufendorf) fehl am Platz. Anno weiß um die Suizidgedanken seines Bruder und will ihm seine Sicht der Welt zeigen, so beginnt ein wunderschöner Sommer in dem sich die beiden wieder annähern und Norah Tschirner kennenlernen. Das dieser Sommer kein gutes Ende haben kann, ist leider traurig aber auch unvermeidlich. Ein leiser gefühlvoller Film über Geschwisterliebe, Liebe und Tod. Leider gibt es ihn nicht auf DVD und auch keinen Trailer dazu, er kam aber dieses Jahr schon im Fernsehen, vielleicht kommt er nächstes Jahr ja wieder, vielleicht will ihn ja der ein oder andere jetzt sehen.
Hier noch eine etwas ausführlichere Kriti von kino.de:
Ein richtiggehendes Kunststück hat Jo Baier mit "Das letzte Stück Himmel" vollbracht. Obwohl es um das Thema Selbstmord geht, ist ihm ein durch und durch lebensbejahender Film gelungen.
Baier, bislang fast ausschließlich mit historischen Stoffen in Erscheinung getreten, spürt man die Liebe zu seinen Filmfiguren an, unheimlich ausgeprägte Figuren sind das, die der Drehbuchnovize Michael Watzke geschaffen hat: das ungleiche Brüderpaar und diese schöne selbstbewusste Frau, die die Brüder verbindet, mit ihnen ein Dreigestirn bildet und sie letztlich auch wieder auseinander führt.
Während Anno (David Rott) als Modefotograf und Frauenheld in München ein unbeschwertes Leben führt, lebt der durch den frühen Tod ihrer Mutter traumatisierte Julian (Max von Pufendorf) in Wuppertal bei seinem gestrengen Vater. Die Sehnsucht zu Sterben ist bei Julian viel ausgeprägter, als die Lust am Leben. Doch gerade diese will ihm sein Bruder vermitteln, als er Julian zu sich nach München holt und ihn an seinem Leben teilhaben lässt. Beide sind an der hübschen Laura (Nora Tschirner) interessiert. In trauter Dreisamkeit verbringen Sie einen unbeschwerten Sommer, bis Laura bei einem Segelflugtörn schwer verunglückt und ins Koma fällt. Als sie wieder aufwacht fällt sie Anno um den Hals, obwohl es Julian war, der Tag und Nacht an ihrem Bett wachte. Die beiden werden ein Paar, was Julian nicht verkraftet. Er wird rückfällig, landet über den Umweg Psychiatrie wieder bei seinem Vater und gibt schließlich seiner einen Sommer lang unterdrückten Sehnsucht nach.
Dass dieser Lauf der Dinge nicht aufzuhalten ist, vermittelt einem Baiers Film sehr eindringlich. Vor allem an der Figur Annos, der sich schnell darüber bewusst ist, was er an seinem Bruder hat und der vor Laura auch kein falsches Spiel treibt und sie nicht darüber im Unklaren lässt, dass es Julians Stimme war, die während ihres Dämmerzustands immer wieder zu ihr sprach.
Max von Pufendorf bringt Julians Verletzlichkeit und Unbedarftheit, dieses nicht von dieser Welt sein ganz hervorragend zum Ausdruck. David Rott spielt den leichtfüßigen Lebemann sehr sympathisch - und passt - aller Gegensätzlichkeit ihrer Figuren zum Trotz - ideal zu Pufendorf, die "brüderliche Chemie" zwischen den beiden stimmt. Und Nora Tschirner ist in ihrer natürlichen Art ohnehin eine Pracht. Jo Baiers Film umgibt außerdem eine eigentümliche Zeitlosigkeit, die durch Kostüm und Ausstattung (bis hin zu Annos 911er Porsche) noch unterfüttert wird. Manchmal wirkt der Film wie eine kleine Hommage an das wilde Schwabing aus vergangenen "Schätzchen"-Zeiten. fra.