Schlatterblog Stuff by schlatterboy

20Mai/105

Tag 17 – Der Film der dich am meisten enttäuscht hat

Einen Film zu finden der enttäuscht ist nicht schwer, oft sind die Erwartungen hoch und die Enttäuschung um so größer. Es hat einem Film selten gut getan, wenn ihn schon vorher alle total hochgejubelt haben, sicher gibt es Ausnahmen wie The Dark Knight, Avatar, Matrix (nur der erste Teil) oder auch Pulp Fiction, doch je mehr etwas gehypt wird, desto suspekter wird es mir in der Regel, außerdem kann das idealisierte Objekt eigentlich nur verlieren, da Vorstellung und Wirklichkeit ja eher selten übereinstimmen. Deswegen gucke ich mir meistens nicht mal mehr den Trailer eines Films an um keine Erwartungen zu wecken und lese keine Kritiken vorher um möglichst unbelastet den Film zu genießen. Matrix ist ein sehr klassisches Beispiel, so genial der erste Teil war, so enttäuschend waren die Nachfolgenden, aber es muss ja alles vermarktet werden, siehe Rambo, Rocky, Stirb Langsam, Indiana Jones, Fluch der Karibik, Ocean's Eleven etc... Wo sind die Erwartungen, außer bei Fortsetzungen noch hoch? Bei Literaturverfilmungen aller Art und Remakes, wobei ich an Remakes mittlerweile keine allzu hohen Erwartungen habe.

Also wer zählt nun heute zu den auserwählten? Eindeutig Teil 2 und 3 von Matrix, mit einem wirklich genialen ersten Teil konnte diese nicht annähernd an das Niveau anknüpfen, ebenso wie Fluch der Karibik 2 und 3, denen vollkommen der Witz des 1. Teils abging, wenn wir schon bei Fortsetzungen sind, dann darf man natürlich nicht "Rocky IV" vergessen, der fast der Auslöser für den Heißen Krieg geworden wäre, nicht zu vergessen "Crank 2", zu dem wohl alles gesagt worden ist was gesagt worden ist, auch von "Zweiohrküken" war ich enttäuscht, so auch von "Vom Winde verweht", eindeutig ein Klassiker, der in der heutigen zeit nicht bestehen kann, ebenso wie "Die Faust im Nacken" oder auch die "Reifeprüfung", an den ich einfach nicht ran komme. "Der Untergang" war ebenfalls schlechter als erwartet, sowie auch "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford", der mir einfach zu ruhig war und eine sehr enttäuschende Buchverfilmung war z.B. "Lila, Lila". Und diesmal muss ich wohl sagen, der Verlierer ist:

Lila, Lila

Lila, Lila (2009)

Cast: Daniel Brühl, Hannah Herzsprung, Henry Hübchen

Director: Alain Gsponer

Writer: Martin Suter, Alex Buresch

Runtime: 104 minutes

Genre: comedy

Meine Wertung: 4/10

Das es nicht einfach ist, eine gute Buchvorlage in einen guten Film zu verwandeln, ist kein Geheimnis, eine lange Reihe schlechter Buchverfilmung ist dafür Zeugnis. Ein weiteres Beispiel dafür ist Lila Lila. Ich habe grade kein Exemplar des Buchs zur Hand und möchte den Film nicht im Detail zerpflücken, das werden sicher andere tun. Also werde ich mich jetzt nicht an solchen Kleinigkeiten hochziehen wie die, dass es im Buch um die Frankfurter und nicht um die Leipziger Buchmesse ging, was dem Ortsunkundingen aber nicht weiter auffallen wird, sondern werde gleich zum, Achtung Wortspiel, Kern des Problems vorstoßen. Natürlich kann man versuchen sich Satz für Satz an ein Buch zu halten, was ab einer gewissen Seitenzahl aber zum echten Problem wird, deswegen geht es mir auch nicht um die 1:1 Umsetzung eines Buchs, sondern darum die Stimmung des Buchs einzufangen und auf Film zu bannen. Und genau hier liegt das Problem. Wie fängt man dieses unbestimmte Etwas ein? Wer legt die Stimmung eines Buchs fest?

Der Leser! Wenn 10 Menschen das gleiche, oder meinetwegen sogar das selbe, Buch lesen, dann wird das Buch von diesen vollkommen unterschiedlich aufgenommen werden. Würde man diese nach der Stimmung des Buchs fragen, wird man 10 verschiedene Antworten erhalten. Doch das, ja genau das ist doch gerade das schöne am Medium Buch, dass dir keiner vorschreiben kann, wie eine Figur auszusehen hat und wenn da dreimal im Buch steht das der Protagonist blonde Haare und blaue Augen hat, dann kann man trotzdem einen braunäugigen schwarzhaarigen Protagonisten vor seinem inneren Auge erscheinen lassen. Die eigene Stimmung und vor allem die eigene Phantasie jedes Einzelnen machen das Buch zu dem was sie für den Leser sind, das ist doch wunderbar. Und nun kommt das Medium Film ins Spiel.

Woher rührt denn die Enttäuschung, wenn man zum ersten mal den Protagonisten sieht, wie er sich durch sein strohblondes Haar fährt, wenn dieser in der Phantasie des Lesers immer schwarze Haare hatte? Richtig nun hat der Held wirklich blonde Haare und es fällt unendlich viel schwieriger sich diese schwarz zu denken. Gut, das Beispiel mag etwas trivial erscheinen, aber ich hoffe es ist deutlich geworden, was ich damit zum Ausdruck bringen wollte. Die Phantasie des Zuschauers kommt, ich möchte nicht sagen, gar nicht, aber doch in einem wesentlich begrenzteren Rahmen zum Zuge. Das Medium Film gibt einfach viel mehr vor und hat somit einen größeren Einfluss auf die Stimmung des Zuschauers, allein durch die Wahl der Musik, die in Lila Lila durchweg zu positiv war, kann man den Zuschauer in eine gewisse Stimmungsrichtung lenken und z.B. auf die sprichwörtliche Tränendrüse drücken. Das heißt der Prozess der Phantasie wird verlagert und zwar vom Zuschauer zum Filmemacher, der Film spiegelt also bloß eine mögliche Interpretation des Buchs wieder, somit sind Konflikte vorprogrammiert. Wenn der Zuschauer das Buch nicht gelesen hat, kann er den Film als solches beurteilen, wobei sein Urteil wahrscheinlich besser ausfallen wird, als das des kundigen Lesers, prallen hier doch zwei, womöglich vollkommen unterschiedliche, Phantasien aufeinander.

Der Film wurde unter dem Gesichtspunkt der trivialen Kinounterhaltung gedreht und den Zuschauer erwartet leider nicht mehr, als eine durchschnittliche Beziehungskomödie die so halb auf einem wunderbaren Buch basiert, wobei man sich sowieso alles so zurecht gedreht hat wie man es braucht, Fakten wurden verändert, sowie auch die Beziehungen der Handlungsträger untereinander, so hatte im Buch Henry Hübchen nicht annähernd eine väterliche Beziehung zu Daniel Brühl. Den Vergleich mit dem Buch, das sicher vieles ist, aber keine Komödie, hält der Film in den wenigstens Fällen stand und kratz lediglich an der Oberfläche dessen was möglich gewesen wäre, abgesehen davon mag ich Daniel Milchgesicht Brühl nicht besonders. Doch man darf diesen Artikel nicht als Kritik am Medium Film, sondern als Plädoyer für das Medium Buch sehen.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Tags: veröffentlicht unter: Filme Kommentar schreiben